Hetze

Kampagne. Gerne auch: Hetzkampagne. Solche Worte gehen den Leistungseliten unseres Landes immer dann gerne über die Lippen, wenn ihre PR-Truppen die Medien mal nicht voll im Griff haben. Wenn also irgendwelche Journalisten nicht genehme, weil sehr unangenehme Themen aufgreifen und darüber berichten – was schließlich ihre Aufgabe ist. Dann ist das Gejammer groß: Kampagnenjournalismus.

Man muss sich ernsthaft Sorgen um die Kritikfähigkeit unserer Eliten machen. Nicht nur, dass sie bei dem leisesten Anflug von Kritik sofort in die Schmollecke flüchten. Sie keilen zurück: Hetzkampagnen. Das ist ein schweres Geschütz. Hetzkampagnen hat der Stürmer gefahren. Für das, was unsere Medien sich da stellenweise leisten, geht es auch eine Nummer kleiner. Bei den beiden Herren gesetzteren Alters, die unliebsame Schlagzeilen derart diskreditieren wollen, gilt nicht mal das.

Fritz Schramma, bald Ex-Oberbürgermeister von Köln, hat den dortigen Klüngel nicht im Griff. Unter seiner Ägide bauen die örtlichen Verkehrsbetriebe offenbar so richtig Mist und auf der Severinstraße ist der Verlust von zwei Menschenleben sowie etwas Infrastruktur zu beklagen. Hartmut Mehdorn, zweiter Vorname Bahnchef, tritt zurück, weil sich seine Leute ein bisschen zu sehr für die E-Mails seiner Mitarbeiter interessiert haben.

Man darf darüber streiten, ob Schramma Elite ist, oder ob er sich nur geschickt nach oben geschunkelt hat. Bei Mehdorn lasse ich den Begriff eher gelten, zumindest zur Einkommenselite dürfen wir ihn sicher zählen. Beide tragen die Verantwortung für etwas, das die Presse auch ohne Hetze einen Skandal nennen darf. Wenn durch Bauarbeiten ein paar Häuser einstürzen und dabei zwei Menschen zu Tode kommen, ist das ebenso ein Skandal wie die systematische Bespitzelung von tausenden Mitarbeitern durch die Unternehmensspitze.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Herren persönlich Schuld auf sich geladen haben. Als oberste DIenstherren tragen sie die Verantwortung. Das festzustellen hat mit Hetze nichts zu tun. Die Versuche der Mächtigen, Kritik auf diese Weise zu diffamieren, sind symptomatisch. Sie sehen nicht ein, dass sie in ihrer Position, die ihnen ein stattliches Einkommen garantiert, Rechenschschaft schuldig sind – und Kritik aushalten müssen. Das ist heutzutage eine aussterbende Qualität. Sieht man auch bei DSDS.

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