Archive for Februar 2009

Spielregeln
28. Februar 2009

„Die ganze Sache liegt in der Person Brender begründet, nicht in seiner politischen Einstellung“, sagte ein der Parteispitze Vertrauter dem SPIEGEL. Brender sei zu undiplomatisch. Mit anderen, ebenfalls als SPD-nah eingestuften Top-Journalisten der öffentlich-rechtlichen Anstalten habe man weniger Probleme. Sowohl Ulrich Deppendorf, Leiter des Hauptstadtstudios der ARD, wie sein ZDF-Kollege Peter Frey hielten sich „an die Spielregeln“. Brender dagegen sei „unberechenbar“.

Dieser Absatz bei Spiegel Online beweist, dass Deutschland ein echtes Problem hat. Das ZDF ist ja nun nicht gerade verdächtig, mit der Politik allzu grob umzuspringen. Trotzdem ist jemand wie Brender, der sich nicht an Proporz-Spielchen beteiligen mag, offenbar ein rotes Tuch selbst für die Regierungschefin.

Was da aus dem Kanzleramt durchgesteckt wird, macht mich sprachlos: Brender soll zu undiplomatisch sein und sich nicht an die Spielregeln halten? Aber das ist doch genau sein Job, oder? Offenbar denkt die Politik tatsächlich, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei sowas wie Parteien-TV. Das Problem ist aber nicht Brender, sondern liegt eher bei den handzahmen Stichwortgebern, genannt hier Deppendorf und Frey, Liste beliebig erweiterbar und beginnend mit Will, Illner und Konsorten.

Dass hier im Superwahljahr direkt in die freie Presse reinregiert werden soll, ist an sich schon ein Skandal. Dahinter liegt aber ein strukturelles Problem, das sich in den Jahren seit dem Regierungsumzug verfestigt hat: Der Inzest aus Medien und Politik in der Hauptstadt. Es geht nur noch um Zugang (zu bestimmten Kreisen oder Informationen), dabei wäre kritische Distanz wichtiger. Die wird immer schwerer zu halten, wenn man gemeinsam im Borchardt zu Mittag isst. Journalisten als Schoßhündchen von Parteien und Wirtschaftslobby.

Hände weg vom ZDF. Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sagen würde.

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Fernduell
28. Februar 2009

Am Samstag liefern sich Hoffenheim (in Dortmund) und Hertha (gegen Schlusslicht Gladbach) ein Fernduell um die Tabellenführung.

Sowas im Kicker lesen zu können macht irgendwie Spaß.

Statistik
27. Februar 2009

Kleines Update hierzu.

Eitel und ahnungslos
26. Februar 2009

Ich muss mich noch ein bisschen an der VF abarbeiten. Lottmann findet, das Poschardt zwar cool, aber leider ahnungslos ist und das auch ein Problem des Blatts war. D’accord. Vielleicht muss ich auch mal Marx und Keynes lesen.

Mehr auf der Borderline nachts um halb eins.

Google
26. Februar 2009

Über welche Suchbegriffe die Leute hierher gekommen sind:

katrin bauerfeind titten
nutten oranienburger
nutte prenzlauer berg

Ich muss an meiner Themenauswahl arbeiten.

Business as usual
24. Februar 2009

Vier Monate nach ihrem umrühmlichen Ableben sorgt Gruner’s Kampfblatt für besserverdienende Friseure „Park Avenue“ nochmal für ein kleines Skandälchen in Medienkreisen. Anlass für die mittlere mediale Erregungswelle ist eine voll olle Kamelle: Ein inzwischen ergänzter Blogeintrag der Huffington Post vom vergangenen Juli, der sich über den exklusiven Zugang der Park-Avenue-Autorin Steffi Kammerer zu Michelle Obama wundert. Die ließ daraufhin über ihr Team mitteilen, mit Kammerer nie gesprochen zu haben.

Aufgefallen ist das diesseits des Atlantiks nicht weiter. Lanu hat’s heute ausgegraben (Update: Gerade fische ich einen anonymen Hinweis auf die Huffpo-Geschichte aus dem Spam-Folder, Dank an ‚George Orwell‘). Was folgt ist ein Possenspiel deutscher Journalistendarsteller: Turi2 greift die Geschichte auf, Meedia schreit „Ente“ und Turi rudert mit einem winselnden „Sorry“ zurück. Während sich Lanu laut lachend zurücklehnt und das armselige Stück zu genießen scheint, möchte ich ausnahmsweise mal Niggemeier zitieren: Geht bitte sterben.

(mehr …)

Inzest
23. Februar 2009

Die Szenen, die sich vergangenen Mittwoch in Berlin abgespielt haben, waren apokalyptisch. Nachdem Jonathan Newhouse, der Chef von Condé Nast International, mitten in die Redaktionskonferenz geplatzt war, um das Ende des deutschen Ablegers von „Vanity Fair“ zu verkünden, fand unter den Klängen des R.E.M.-Lieds „It’s the end of the world as we know it“ (das ein Kollege mit Galgenhumor aus seinem Apple-Computer klingen ließ) ein Exodus der Mitarbeiter in das nahe Restaurant „Borchardt“ statt. Maria, die Managerin, sah die Verzweiflung, die Ratlosigkeit, die Wut ihrer Nun-bald-wohl-nicht-mehr-Stammkunden – und gab großzügig Grappa aus.

So nimmt Alexander von Schönburg Abschied von seinem Frühstückskolumnistenposten bei der Vanity Fair – in der „Welt am Sonntag„, bei der Ulf Poschardt als Stellvertretender Chefredakteur zeichnet. Schön, wie offen der Journalismus spielende Graf seine begrenzte Welt skizziert, die der Don bei der FAZ schon so schön markiert hat:

Die Redaktionen aber überlegten erst gar nicht, was eine ihrem Stand angemessene Haltung und Aufgabe sein könnte, sondern definierten eine Zone zwischen Kanzleramt, Springerhochhaus und Bertelsmann-Stiftung.

Kein Wunder, dass Magazine so langweilig sind, wenn die protegierten Edelfedern lieber mit Ihresgleichen im Borchardt networken, als sich in der Stadt umzugucken. Meine Empfehlung für den nächsten Mittagstisch: Der Magendoktor im Wedding.

Last Edition in Mitte
19. Februar 2009

Da ist man mal ein paar Tage nicht da und dann passiert sowas. Conde Nast muss die Vanity Fair ausgerechnet dann schreddern, wenn ich das nicht angemessen würdigen kann und der Nachwuchs zwar pflichtschuldigst finalisiert, dabei aber ein bisschen maulfaul ist. Generation Twitter? Vielleicht hilft Ritalin.

In Zeiten der Krise sinkt die Halbwertzeit von unbedingten Managerbekenntnissen zu ihrem Portfolioschrott dramatisch gegen Null. Conde-Nast-Erbe Jonathan Newhouse hatte noch im Dezember eine Bestandsgarantie abgegeben: „Es gibt keinen Grund, Vanity Fair nicht weiterzuführen. Es ist unsere erfolgreichste Marke.“ Wenige Wochen später scheint er endlich einen guten Grund gefunden zu haben: Die Krise. Wie originell. (mehr …)

Off to work
17. Februar 2009

Nur ein paar Tage weg.

Momentaufnahme
14. Februar 2009

Das entschädigt für manchen trostlosen Nachmittag im Olympiastadion, damals, als Theo Gries noch gespielt hat.