Money Shot

Crunchtime! Für die Web-2.0-Entrepreneure kommt die Wirtschaftskrise irgendwie ungelegen. Wenn VCs schon ankündigen – branchentypisch per Power Point –, dass nun enger geschnallt werden muss und damit natürlich die Gürtel der Mitarbeiter meinen, die es zu entlassen gilt, dann wird es wahrlich ungemütlich im Social-Web-Kuschelland.

Zeit auch für die Jungs mit den ganz dicken Hosen, sich Gedanken um sowas profanes wie Geld zu machen. Die Elite-Betriebswirte bei StudiVZ und Co. haben dafür das Buzzword Monetarisierung. Das heißt nichts anderes, als das so ein Laden auch mal Geld verdienen muss. Kaufmanns-Einmaleins.

Nur: So einfach scheint das nicht zu sein.

Facebook, das Posterchild der Bewegung, hat sich mit Beacon schon einmal eine blutige Nase geholt und durfte feststellen, dass die Nutzer da zwar alles mögliche von sich preisgeben, auf Monetarisierungsversuche des Plattformbetreibers aber äußerst sensibel reagieren können.

Jetzt macht Facebook wieder Schlagzeilen. Der Londoner Telegraph hat mit Zuckerbergs Schwesterchen gesprochen, die offenbar gerne redet und in Bruders Web-2.0-Imperium fürs Marketing zuständig ist. Die Zeitung formuliert das so:

Networking site cashes in on friends

Facebook is planning to exploit the vast amount of personal information it holds on its 150m members by creating one of the world’s largest market research databases.

Das soll allerdings alles ein Missverständnis sein. Der Telegraph-Artikel sei „factually incorrect“, sagt ein Sprecher laut AllFacebook, ohne diese „Fehler“ weiter zu erläutern. Randi Tuckerberg (die Schwester) sei „offenbar falsch interpretiert“ worden. Auch das Non-Dementi gegenüber TechCrunch kann nur ein paar Fanboys in den Kommentaren dort überzeugen.

An der Blogbar, wo über mögliche Geschäftsmodelle der Netzwerke schon einiges zu lesen war, unter anderem auch über solche Modelle, zieht Don Alphonso so seine eigenen Schlüsse:

Eine Firma, die sich auf eine derartige Verarschung ihrer Nutzer einlässt, weil sie offensichtlich keinen anderen Ansatz zur Monetarisierung hat, ist nicht die Zukunft. So eine Firma, das weiss man, wenn man in der New Economy war, pfeift aus dem letzten Loch.

Wer hat nun Recht? My money is on Don.

2 Antworten

  1. Sorry, ich versteh die Aufregung nicht. Facebook “verkauft” keine persönliche Informationen, sondern macht lediglich – wie google etc. auch – personenbezogene Werbung. Wo ist das Problem? Dann müsste man alle Accounts kündigen, schließlich schickt Amazon einem auch Infos über themennahe Bücher die man mal bestellt hat.

    Die Facebook Sache ist doch (im Prinzip) nichts anderes, als dass bei der Suche bei Google nach “Autoreifen” auch Werbung für Autoreifen angezeigt wird, bei Facebook dann eben für Teilnehmer einer Skateboard-Gruppe Skateboards, für Leute die aus Stadt XY kommen, bestimmte personalisierte Angebote – wo ist das Problem?

    Die werbenden Unternehmen erhalten KEINE Kundendaten, sondern können personalisiert werben, oder Mafo betreiben – den Datenschutz tangiert dies nicht.

    Oder will hier jemand drüber klagen das Reisewerbung im Reiseteil einer Zeitung erscheint, die ja “personalisiert” auf einen selbst ist und wird, weil davon ausgegangen wird das man sich für Reisen interessiert?

    Totale unnötige Hype-Aufregung also.

  2. Naja, Aufregung – ich bemerke, dass Facebook wie andere Web-Angebote auch, bei den Monetarisierungsversuchen einen Balanceakt zwischen den Wünschen der Werbewirtschaft und den oft rigiden Vorstellungen ihrer Nutzerschaft üben müssen. Es ist möglich, dass Randi Z. sich nur verplappert und der Telegraph da was in den falschen Hals bekommen hat. Trotzdem glaube ich nicht, dass das alles so harmlos ist.

    Im Übrigen: Herzlich willkommen, du bist der erste Kommentator in meinem neuen Blog.

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