Inzest

Die Szenen, die sich vergangenen Mittwoch in Berlin abgespielt haben, waren apokalyptisch. Nachdem Jonathan Newhouse, der Chef von Condé Nast International, mitten in die Redaktionskonferenz geplatzt war, um das Ende des deutschen Ablegers von „Vanity Fair“ zu verkünden, fand unter den Klängen des R.E.M.-Lieds „It’s the end of the world as we know it“ (das ein Kollege mit Galgenhumor aus seinem Apple-Computer klingen ließ) ein Exodus der Mitarbeiter in das nahe Restaurant „Borchardt“ statt. Maria, die Managerin, sah die Verzweiflung, die Ratlosigkeit, die Wut ihrer Nun-bald-wohl-nicht-mehr-Stammkunden – und gab großzügig Grappa aus.

So nimmt Alexander von Schönburg Abschied von seinem Frühstückskolumnistenposten bei der Vanity Fair – in der „Welt am Sonntag„, bei der Ulf Poschardt als Stellvertretender Chefredakteur zeichnet. Schön, wie offen der Journalismus spielende Graf seine begrenzte Welt skizziert, die der Don bei der FAZ schon so schön markiert hat:

Die Redaktionen aber überlegten erst gar nicht, was eine ihrem Stand angemessene Haltung und Aufgabe sein könnte, sondern definierten eine Zone zwischen Kanzleramt, Springerhochhaus und Bertelsmann-Stiftung.

Kein Wunder, dass Magazine so langweilig sind, wenn die protegierten Edelfedern lieber mit Ihresgleichen im Borchardt networken, als sich in der Stadt umzugucken. Meine Empfehlung für den nächsten Mittagstisch: Der Magendoktor im Wedding.

Eine Antwort

  1. Fast vergessen: REM? No Shit.

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