Archive for April 2009

Brennpunkt Bayern
27. April 2009

Ich hatte mich schon gewundert, warum die ARD nach dem temporären Ausfall des T-Mobile-Netzes am vergangenen Dienstag nicht das ganze Programm umgeschmissen und nach der Tagesschau einen Brennpunkt aus Bonn eingeschoben hat. Für diese nur mit viel Wohlwollen fahrlässig zu nennende Unterlassung wurden wir heute entschädigt mit einer angesichts der geradezu historischen Tragweite der heutigen Ereignisse viel zu kurzen Sportschau extra zur Entlassung des obersten Übungsleiters der FC Bayern München AG.

Im Laufe der von den ARD-Qualitätsjournalisten vorbildlichst zusammengestellten Sondersendung erfahren wir aus dem berufenen Munde der Bundesvorsitzenden der Grünen, dass man zuhause gegen Schalke eben nicht verlieren dürfe, „da hilft auch kein Buddha“. Zuvor durfte der Insider-Outsider und ARD-Experte Mehmet Scholl messerscharf analysieren, dass die Ergebnisse wohl nicht gestimmt haben.

Der Tragweite der heutigen Demission trug Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) angemessen Rechnung, in dem er eine Pressekonferenz unterbrach, um die Verdienste Klinsmanns um die Nation zu würdigen und dem Hamburger Sportverein ewige Treue zu schwören. Mit dem ausgewiesenen Experten und Bayern-Aufsichtsrat Helmut Markwort erörterte der gewohnt tiefenscharfe Moderator schließlich die weiteren Eventualitäten dieser am Weltgefüge rüttelnden Personalie.

Danke, Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“, dass du nicht so nachlässig bist wie das Zweite Deutsche Fernsehen, das die Affäre Klinsmann meint als erstes Thema der Abendnachrichten wegsenden zu können, und dass du das berufliche Schicksal des schwäbischen Bäckersohns in den Tagesthemen elegant zu kommentieren weist. Dafür zahlen wir doch gerne.

St. Oberholz
24. April 2009

Glaubt man den Medien (was man im Allgemeinen nicht tun sollte), ist das St. Oberholz sowas wie das Gemeindezentrum der digitalen Boheme in Berlin, von mir auch liebevoll Mitte-Nutten genannt (was mir hier immer wieder lustige Google-Referrer beschert). Bei der Zeit gibt es den gefühlt fünfhundertsten launigen Text über das „Szene-Café“ am Rosenthaler.

Pffft. Zu meiner Zeit war da der beste Burger King der Welt drin. Die haben sogar nachhause geliefert, mit so kleinen 50er-Rollern. Irgendwann haben sie dann leider wieder damit aufgehört. Weil die jugendlichen Lieferfahrer mit Migrationshintergrund zu oft einfach nicht zur Arbeit gekommen sind, hat die Ost-Erna hinter der Theke mir damals verraten.

Was auch immer. Erna und ihre kleinen Wedding-Macker haben in dem Laden jetzt nüscht mehr verloren, von wegen kein Macbook und so. There goes the neighborhood.

Old School
23. April 2009

Fundstück: Zeitungsproduktion in den Siebzigern. Für die heutigen C&P-Google-Hacks unvorstellbar. (via medienlese.com)

Pulitzer
22. April 2009

Der Pulitzer ist sowas wie der Oscar für Autoren und Medien. Jährlich prämiert eine Jury aus Peers die besten Leistungen nicht nur im Journalismus. Dabei gibt es in der Regel einen oder mehr Pulitzer für die großen US-Blätter, garniert mit ein paar Außenseitern. Im Prinzip war das auch 2009 nicht anders. Doch irgendwas am aktuellen Pulitzer-Jahrgang schmeckt anders. Vielleicht liegt das an ein paar Auffälligkeiten. (mehr …)

Killer
19. April 2009

Internet kills the newspaper. Das ist ein von einer kleinen Schar sogenannter Online-Experten immer wieder gerne kolportiertes Klischee. Nur wird es dadurch nicht richtiger. Denn das Schauermärchen vom Killer Internet ist vor allem eine schöne Ausrede.

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Eine Ausrede für die Verlagsmanager, die heute das Sagen und sich ihre ersten Streifen in der New Economy verdient haben. Eine Ausrede für ihr Versagen, das neue Medium anzunehmen, mit all seinen Unwägbarkeiten und Chancen, ohne dabei gleich alles zu vergessen, was sie mutmaßlich mal gelernt haben. Stattdessen sind sie den Heilsversprechen der Dotcom-Rattenfänger aufgesessen, dass das Internet alles verändert und man mit Nix richtig viel Geld verdienen kann. Irgendwie. (mehr …)

Zapping
18. April 2009

Judith Williams ist aus der Babypause zurück. Als erstes hält sie ihren total straffen Bauch („Nur vier Wochen nach der Entbindung“) in die Kamera und cremt sich mit „Busen-Gel“ ein. Digitalfernsehen rules.

Ausbeutung
17. April 2009

Die taz hat Jubiläum und Relaunch. Toll. Gratulation an das Zentralorgan der deutschen Gutmenschen. Aber wenn das gute Gewissen des linken Establishments sich mal wieder über die Ausbeutung bei Discountern aufregt, muss ich zum Eimer greifen. Es gibt Leute bei der taz, die verdienen auch nicht viel mehr als eine Kassiererin bei Lidl. Und das sind nicht die Praktikanten, die kriegen vermutlich gar nichts. Sondern gestandene Journalisten mit Erfahrung und guter Ausbildung. Von angemessener Bezahlung können die nur träumen. Ist diese Art der Ausbeutung dann okay, weil für ein höheres Gut?

Flack Poetry
16. April 2009

The mayor will have to hash this out with public health officials. It’s the mayor’s job to weed out bad legislation. And to be blunt, this sounds pretty bad.

Nathan Ballard, Pressesprecher von San Franciscos Bürgermeister Gavin Newsom, kommentiert einen Vorstoß des Bezirksvertreters Ross Mirkarimi, Marihuanaverkauf zu medizinischen Zwecken zu legalisieren.

(thx Fefe)

Late Night
15. April 2009

Die gute Nachricht zuerst: Oliver Welke macht eine News-Late-Night-Show für das ZDF. Die schlechte: Der Mainzer Rentnersender lässt ihn nur einmal im Monat ran. Immerhin: Ganz doof können sie auf dem Lerchenberg nicht sein, denn Welke ist einer der wenigen, denen so ein Format zuzutrauen ist.

Dabei tritt er in gemäßigt große Fußstapfen: Gottschalk hat die erste Letterman-Kopie gegeben, ihm folgten Koschwitz und Schmidt. Selbst der viel geliebte Schmidt war dem Format nicht ganz gewachsen. Alternativen zu Welke gibt es eigentlich keine: Pocher hat zu wenig Sophistication, Raab spielt lieber mit Bratpfannen.

Welke ist schon eine gute Wahl. Er sollte das daily machen. Mit seinem alten Frühstyxradio-Kumpel Kalkofe als Sidekick. Aber dafür hat das ZDF nicht die Eier.

Tage am Meer
10. April 2009

Hier ist dann mal Pause. Happy Easter.