Pulitzer

Der Pulitzer ist sowas wie der Oscar für Autoren und Medien. Jährlich prämiert eine Jury aus Peers die besten Leistungen nicht nur im Journalismus. Dabei gibt es in der Regel einen oder mehr Pulitzer für die großen US-Blätter, garniert mit ein paar Außenseitern. Im Prinzip war das auch 2009 nicht anders. Doch irgendwas am aktuellen Pulitzer-Jahrgang schmeckt anders. Vielleicht liegt das an ein paar Auffälligkeiten.

Eine gute Nachricht war der Pulitzer für PolitiFact.com, das angetreten war, die im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft aufgestellten Behauptungen der Akteure auf eine Faktenbasis zu stellen – oder eben auch nicht. Das erste mal ging der Preis an ein Online-Angebot, im ersten Jahr, in dem Online überhaupt zu gelassen war. Dass hinter dem Preisträger mit der St. Petersburg Times ein altes Traditionsblatt steht, kann wahrscheinlich helfen, die alten Print-Hasen der Jury an das todbringende Medium heranzuführen.

Die große alte Dame der US-Zeitungslandschaft hat in diesem Pulitzer-Jahrgang gleich fünf Mal zugeschlagen. Die Konzentration auf eine trotz aller Sparmaßnahmen noch finanz- und personalstarke Redaktion darf auch als Warnzeichen gelesen werden, dass die Pulitzer-Disiziplinen – klassisches Reporting und investigative Recherchen – in der Krise von immer weniger Medien bezahlt werden wollen.

Dabei zeigen die Preise in diesem Jahr exemplarisch, wie wichtig guter Journalismus für die Gesellschaft ist. Die New York Times deckte die Verbindungen einiger in den Medien als unabhängige Experten auftretenden Ex-Militärs mit dem US-Verteidigungsministerium auf und brachte den New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer wegen seiner Rotlicht-Affäre zu Fall. Auch die beiden Preisträger in der Kategorie Lokaljournalismus beschäftigten sich mit hohen Würdenträgern in ihrer Region.

Der Pulitzer für die Las Vegas Sun und deren junge Reporterin, die der auffällig hohen Anzahl an tödlichen Unfällen auf den Hochbaustellen in der Glitzerstadt nachging und sich dabei auch von Beamten, Gewerkschaften und Drohungen nicht aufhalten ließ, zeigt das Potenzial, das guter (Lokal-)Journalismus immer noch hat: Er kann an den herrschenden Verhältnissen etwas ändern. Zumindest in den USA.

Zwar ist auch der deutsche Journalismus im Prinzip zu solchen Leistungen fähig. Doch in der medialen Aufmerksamkeitsökonomie machen es unsere Investigativen nicht mehr unter dem ganz großen Skandal: Siemens in der SZ, die Telekom-Affäre im Spiegel, Lidl und der Stern. Wichtig sind aber auch die kleinen Geschichten, aus denen Großes werden kann. Wie ein toter Bauarbeiter auf dem Strip.

Große Hoffnungen sollte man sich da allerdings nicht machen. Einerseits ist der politische investigative Journalismus auf dem Rückzug, verdrängt von der Beischlafgemeinschaft Berlin Mitte: Distanz kennen die meisten Berliner Journalisten nur noch aus dem Duden. Andererseits regieren die deutschen Parteisoldaten einfach durch, egal, was da gerade in der Zeitung steht. Deshalb wohl der bittere Beigeschmack.

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