Archive for Mai 2009

Offline
31. Mai 2009

Ich vermute, dass 11-Jährige im Netz weitaus ungeeignetere Sachen sehen können als eine 37-Grad-Sendung über die „Generation Porno“. Zum Beispiel Fickfilme. Oder 2 Girls 1 Cup.

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Kiewel, Kerner, Kohl
24. Mai 2009

Nun also auch Anja Kohl. Über die einträglichen Nebenjobs der eigenwilligen Börsenexperten der ARD war vor zwei Wochen in der „Jungen Welt“ zu lesen (jetzt auch bei Carta und den Ruhrbaronen). Kohl moderiert demnach nicht nur die Börsennachrichten der ARD, sondern auch Veranstaltungen von Verbänden und Unternehmen. Darunter auch Firmen, die in der ARD Gegenstand ihrer Berichterstattung sind.

Das an sich ist noch kein Skandal. Aber es ist problematisch. Und es wird um so problematischer, weil Kohl nicht alleine damit ist, sondern nur Teil eines gut funktionierenden Systems. Fernsehleute, auch und gerade die aus dem seriösen Nachrichtenfach, und eitle Rampensäue aus anderen journalistischen Bereichen setzen ihre Prominenz jenseits ihrer Hauptbeschäftigung gewinnbringend ein. Kohl wird laut Artikel von einer Agentur für 7800 Euro plus Spesen vermittelt. (mehr …)

Qualitätsjournalismus
24. Mai 2009

Der Presserat rügt mal wieder, und hat diesmal viel zu tun. Doch unter der ganzen Empörung über die unterirdische WinnendenBerichterstattung insbesondere der Bild-Zeitung droht diese kleine Perle unterzugehen:

Die TAZ erhält eine nicht-öffentliche Rüge wegen eines Verstoßes gegen die Ziffern 2 und 8 des Pressekodex für ihre Berichterstattung über einen Sorgerechtsstreit. Eine Mutter hatte ihr Kind nach Konflikten mit deutschen Behörden ins Ausland entführen lassen. Der Ausschuss hält die Berichterstattung für einseitig, denn der Vater des Kindes war zu den Vorwürfen nicht befragt worden. Dies hätte die journalistische Sorgfaltspflicht geboten. Zudem ist der Vater in dem Beitrag identifizierend dargestellt, ebenso macht die Redaktion identifizierende Angaben über die Familie. Dies wertet der Ausschuss als einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

(Quelle)

Bettina Kant †
24. Mai 2009

Digital ist besser
21. Mai 2009

Mein neues Lieblingswort: Analogkäse. Was sich die Lebensmittelindustrie so alles ausdenkt, da kriegt man Angst. Aber wer den ganzen Discounter-Fertig-Dreck frisst, ist selbst schuld.

Direct to video
21. Mai 2009

Direct to video (heute ist damit die DVD gemeint) war früher ein Gütesiegel für Filme, das zweierlei bedeuten konnte: Man hatte es mit wirklichem Trash zu tun oder mit abseitigem Edel-Trash, vulgo Kult. Filme, die in den USA nicht einmal eine begrenzte Kinoauswertung hinbekommen haben, waren entweder zu B bzw. C oder zu Indie und landeten auf direktem Weg in der Videothek.

Ein Problem der Filmindustrie ist, dass das heute auch immer mehr A-Filmen und „großen“ Indies passiert und ein nicht kleiner Teil des Publikums damit unversorgt bleibt. Es werden zwar immer mehr Filme gemacht, doch kommen immer weniger davon ins Kino. Da laufen nämlich nur noch die Sure Bets: die Marvel-Verfilmung du Jour, Transformers 2 und der Star Trek 20.

Auch bei den Indies ist die Situation nicht besser. Die Superhelden heißen hier Manoel de Oliveira, Mike Leigh oder Woody Allen, alle deutlich jenseits der 60. Die dürfen ihre säftelnden Altherrenphantasien noch auf Zelluloid ausleben. Andere, wie etwa John Sayles, landen direkt auf DVD, wenn überhaupt.

Das jüngste Opfer: John Woo, dessen China-Epos Constantin eigentlich im Juli in die Kinos bringen wollte. Heute kommt die Nachricht, dass daraus nichts wird und „Red Cliff“ erst im Herbst und nur auf DVD erscheinen wird. Und jetzt erzähl mir keiner, dass daran die Filesharer Schuld sind.

Zapping again
17. Mai 2009

Früher war das ja mal anders, da gab es am Samstagabend tatsächlich was im TV, was man auch angucken konnte, wenn man nicht zur Zielgruppe 60+ gehört. Einen guten Spielfilm zum Beispiel. Heutzutage hat man die Wahl zwischen irgendeinem Blasmusi-Stadl (ARD), einer Inga-Lindström-Schmonzette oder „Wetten, dass“ (ZDF) sowie DSDS beziehungsweise „Die 100 XXXXX-Hits der YYYY (RTL). Der Rest sendet Wiederholungen der Wiederholungen. Da weicht man aus lauter Verzweiflung auf die Spartenkanäle aus und wird mit Glück manchmal sogar fündig.

Heute abend zum Beispiel bei 3sat: BE-Grandseigneur Claus Peymann, zwei Theater-Schrateln (Eva Behrendt und Jenny Erpenbeck) und ein alternder Dandy (C. Bernd Sucher) sollen in einer als „Preiskampf“ annoncierten öffentlichen Jurysitzung den 3sat-Preis für das Berliner Theatertreffen vergeben. Was für ein grandioses Trainwreck. Peymann ist lange genug im Geschäft, dass er sich um seinen Ruf keine Sorgen mehr machen muss. Also erklärt er den verschwurbelten Theater-Tussen und dem Dandy, was er so alles scheiße findet. Schön zu beobachten, wie Kulturkonsensmenschen nach Luft schnappen, wenn jemand eine klare Meinung hat und nicht alles totdifferenziert.

Selten so unterhaltsame 60 TV-Minuten gesehen.

Nachtrag: Livebericht im Blog des Theatertreffens und Nachbearbeitung im Freitag:

So gehen „Preiskämpfe“ eben aus, wenn ein rhetorischer Puncher gegen argumentative Leichtgewichte antritt.

Geekdom
8. Mai 2009

Cry me a Rivva
5. Mai 2009

Rivva also, dieser Blogosphären-Aggregator oder was auch immer, wird von seinem Schöpfer leise eingeschläfert. Woran das wohl liegt? Das verrät Herr Westphal nicht. Er wird schon seine Gründe haben.

Vielleicht war es ja diese Erkenntnis: Rivva war Web 1.5. Der Auftrieb für die nächste Sau. Ein Durchlauferhitzer für die immer gleiche Blogsuppe. Nur ein weiteres Social Spielzeug zur Selbstbefriedigung bundesdeutscher B-Blogger. Zur mehrfachen Bestätigung der ohnehin geteilten Meinungen. Eine hohle Echo-Chamber für in Stein gemeißelte Gewissheiten.

Rivva war also eigentlich sowas wie die SPD.

Qualität
5. Mai 2009

Spiegel Nr. 19/4.5.2009, S. 156, 157. Gruner + Jahr wirbt für die neu geschaffene Wirtschafts-Contentmaschine:

Unser Redaktionsmodell ist neu, aber unser Anspruch bleibt der alte:

Qualität.

Das Geheimnis unseres Erfolges ist unser Qualitätsanspruch. Deshalb haben wir mit unserem neuen Redaktionsmodell die größte Wirtschaftsredaktion Deutschlands geschaffen. Die Vernetzung unserer 250 Redakteure bringt uns dabei nicht nur mehr Schlagkraft, sondern gleichzeitig auch mehr Themen, mehr Tiefe und somit mehr Relevanz für unsere Leser. So führt ausnahmsweise einmal mehr Quantität zu mehr Qualität.

Dass sie das betonen müssen, und wie sie es tun, das wirkt schon ein bisschen verzweifelt.