Fucking Liberals

So nicht, liebe FDP. Ich gebe kleinlaut zu, ich habe ernsthaft drüber nachgedacht, euch im September nach etlichen Jahren als SPD-Stammwähler und anschließender Abstinenz meine Stimme zu geben. Die Rechnung: Wenn die CDU ohnehin gewinnt, kann ein starker Koalitionspartner aus dem liberalen Lager, der sich für Bürgerrechte stark macht, nicht falsch sein.

Was die FDP von Freiheitsrechten hält, wenn sie selbst betroffen ist, hat jüngst ihr Generalsekretär persönlich vorexerziert. Dirk Niebel beschwert sich schriftlich bei ARD-Chef Peter Boudgoust, weil sich SWR-Reporter Thomas Leif in seiner Sendung wagte, der blonden EU-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin ein paar harmlose, aber unbequeme Fragen über ihr Arbeitsethos zu stellen.

Niebel laut der Süddeutschen:

Es sei „nicht hinzunehmen“, dass ein „herbeirecherchierter Themenblock in Bezug auf die Arbeitsleistung von Frau Dr. Koch-Mehrin weder angekündigt noch in irgendeiner Art und Weise im Vorlauf zur Sendung kommuniziert worden war“. Seine Conclusio: „unkorrekte Arbeitsweise“.

Kurzfassung: FDP-Politiker beschwert sich, dass die Presse Fragen stellt, die vorher nicht abgesprochen und genehmigt waren. FDP-Politiker versucht, Druck auf die freie Presse auszuüben.

Epic Fail.

10 Antworten

  1. Die FDP hat mit Bürgerrechten soviel am Hut wie die CDU mit christlichen Werten.
    Alles nur Fassade…
    Wählt die Piraten, dann gibts wenigstens Politiker mit Ahnung bezüglich der neuen Medien.

  2. Ja, aber von allem anderen haben sie dann keine Ahnung. Auch nicht so supi.

  3. Bürgerrechte? FDP?

    Die Zeiten sind ja nun schon lange vorbei, da muß ich kevinfleischer rechtgeben.

  4. Das ist eine typisch deutsche Sichtweise von ihm.
    Nicht abgesprochen, nicht authorisiert…
    Wie frei ist eine Presse, die bei diesem Spiel in aller Regelmäßigkeit mitspielt…

  5. […] sind die SPD-Stammwähler hin? Jedenfalls nicht zur FDP: So nicht, liebe FDP. Ich gebe kleinlaut zu, ich habe ernsthaft drüber nachgedacht, euch im […]

  6. Nicht dass ich die Vorgehensweise des Generalsekretärs oder Koch-Mehrins selbst vernünftig oder auch nur taktisch klug gefunden hätte aber es ist schon noch ein Unterschied, ob man rein privat / zivilrechtlich bestimmte Ansprüche stellt oder zu stellen versucht.

    Oder Bürgerrechte per Gesetz einschränkt, abschafft oder relativiert. Es hat nichts mit Politik zu tun, wenn man sich auf solche Weise verhält, dafür viel mit ziemlich mangelhafter Kenntnis grundlegernder PR-Regeln.

  7. Niebel versuchte in seiner Funktion als FDP-General, Druck auszuüben. Was ist daran bitte „rein privat“?

  8. Als würde ihn sein Parteiamt mit irgendwelchen Sonderrechten ausstatten – tut mir Leid aber Journalisten, die sich von so etwas beeinflussen lassen, sind ihr Geld sowieso nicht wert.

    Der Unterschied bleibt jedenfalls, dass Medienzensur die eine, meines Erachtens völlig indiskutable Sache wäre, versuchte Einflussnahme aber eine völlig andere. Es ist deswegen Privatsache, weil es auf ihn selbst, auf die Kandidatin und auf ihre Partei zurückfällt. Oder natürlich auf Medienvertreter, die wegen sowas dann die Klappe halten aber die braucht eh kein Mensch. Die Pressefreiheit oder gar Bürgerrechte bleiben davon aber jedenfalls unberührt.

  9. Es geht nicht darum, ob sich Journalisten davon beeinflussen lassen oder nicht. Du siehst den Zusammenhang nicht. Mit so einer Fehlwahrnehmung der gesellschaftlichen Funktion der Medien, wie Niebel und andere Apparatschiks sie zeigen, können die von dir beklagten Übergriffe des Gesetzgebers überhaupt erst entstehen.

    Addendum: Als JuLi solltest du das Problem erkennen, dass diese Episode für die FDP als „liberale“ Partei ist. Über Zuspruch aus dem Wirtschaftslager müsst ihr euch weniger Sorgen machen. Ein bisschen mehr Liberalität und Köpfe wie Baum oder Hirsch würden euch gut tun. Weniger Luftpumpen wie Koch-Mehrin, mehr Substanz à la Leutheusser-Schnarrenberger. Aber die Bürgerrechtler habt ihr ja alle in die zweite Reihe geschickt.

  10. Nein, so einen Zusammenhang sehe ich in der Tat nicht und halte ihn für ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Ansonsten gebe ich dir in jeder Hinsicht Recht – bis auf dass ich zurückweisen muss, dass ich irgendwen in irgendwelche Reihen geschickt hätte.

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