Transparenz

Da waren sie bei Zapp glaube ich ganz schön überrascht, was die da für einen Stinker ans Tageslicht gezerrt haben. Die Bild ist direkt drauf angesprungen, aber auch in allen anderen Medien waren die Damen und Herren Edelqualitätsjournalisten plötzlich selbst Thema. Wie unangenehm.

Das schöne Echo war für Zapp Anlass genug, eine Woche später nochmal nachzulegen. In dem Bericht darf NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann die Obermuschi geben und ein paar Tränchen über die böse Personalisierung vergießen, weil die Medien ein paar Leute herausgegriffen haben und es schließlich doch alle machen. Er findet nichts dabei, dass Journalisten Nebenjobs machen. Stimmt ja auch. Sie sollten nur genau abwägen, ob das sein muss. Bei RTL aktuell haben sie das offensichtlich nicht nötig.

Ansonsten eiert die NDR-Obermuschi für meinen Geschmack ein bisschen zu viel rum. Die Höhe der Honorare (die Agenturen kassieren bei Auftraggebern bis zu 20.000 Euronen ab, wie viel davon bei Buhro, Kleber und Konsorten hängen bleibt, wollen die ja nicht sagen) erklärt Beckmann damit, dass „herausragende Journalisten“ (also seine öffentlich-rechtliche Elite-Truppe) eben „ein Stückchen mehr verdienen“.

Warum Beckmanns Elitekader so „herausragend“ ist, weiß ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der eine deutlich klarere Meinung vertritt. Wie hier auch schon bemerkt, zieht die öffentlich-rechtliche Fernsehjournaille ihren „herausragenden“ Status, ihre Prominenz und damit ihren Marktwert allein aus ihrem Job bei ARD oder ZDF. Sie sind mitnichten bessere Journalisten als andere, auch wenn sie das gerne glauben möchten.

Bender fordert zu Recht absolute Transparenz, und die Zapp-Tanten wollen schonmal mit gutem Beispiel vorangehen. Anja Reschke veröffentlicht im neuen Zapp-Blog ihre Nebenverdienste, Kollegin Inka Schneider nicht, erklärt aber mal, wie das mit freien Moderatoren so läuft.

Reschke und Schneider sind beide „frei“ und weisen damit auf einen Systemfehler hin. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gibt es gewisse Vorgaben und Tarifstrukturen für die Mitarbeiter. Promis sind nach solchen Tarifen nicht zu bezahlen. Deshalb arbeiten die gerne frei oder, wenn sie richtig Kohle machen wollen, produzieren ihre Sendung gleich selbst. Bei Claus Kleber hat das ZDF auch eine Hilfskonstruktion gewählt, um den Mann angemessen bezahlen zu können.

Transparenz hieße hier auch, ehrlicherweise zuzugeben, dass das Tarifsystem der Öffentlich-Rechtlichen dem Starsystem Fernsehen nicht mehr gerecht wird und dann publik zu machen, was die Kollegen Kerner und Kleber denn so kriegen vom Gebührenkuchen.

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