Archive for Juli 2009

Versager
28. Juli 2009

Alles Versager. Korrupte Arschlöcher. Das Video, in dem ein paar B- und C-Promis so erklären, warum sie nicht wählen gehen, gefällt dem Fool. Auch wenn natürlich natürlich sofort klar war, dass das nicht das Ende der Kampagne sein konnte. Schließlich steckten die Gutmenschen von Politik Digital dahinter. Und wer ernsthaft glaubt, Jan Hofer würde sich on the record als Nichtwähler outen, sollte mal irgendwas bei sich testen lassen.

Mir geht das wieder mal verschärft auf den Sack: Die ganze Nummer diskreditiert einmal mehr jene Nichtwähler, die sich bei ihrer Entscheidung, den Partei-Apparatschiks die Stimme zu verweigern, durchaus etwas denken. Wir sind aber nicht faul, politikverdrossen oder sogar der Demokratie müde. Wir haben nur keinen Bock mehr auf den ganzen Bullshit, den uns die Parteien als Politik verkaufen wollen.

Abgesehen davon, dass die Aktion von Politik Digital ein unheimlich lahmer Abklatsch einer US-Kampagne ist (that’s for you losers at Probono) – es ist die alte Propaganda-Leier unserer Parteiendemokratie: Wählen ist Bürgerpflicht. Ist es eben nicht. Also fickt euch. Meine Stimme kriegt ihr nicht. Schon gar nicht diese bescheuerten Piraten.

Cat Porn
24. Juli 2009

Fünf Minuten 1-a-Katzencontent. Nicht neu, aber gut. The internet is for pr0n, and lolcats.

Kinderfernsehen
23. Juli 2009

Die Sendung mit dem Claus

01

03

06

und der Gundel

05

Road Trip
12. Juli 2009

Kurz wech dahin. Bald hoffentlich für länger.

Great Head
10. Juli 2009

Mel Gibson to put hand up Jodie Foster's Beaver

And they know it.

Fake Food
10. Juli 2009

Kleine Liste beim Spiegel, wie die Lebensmittelindustrie uns täglich aufs Neue verarscht. I couldn’t care less. Selbst schuld, wer den Scheiß frisst (edit & note to self: ich wiederhol mich schon). Dann das hier:

Anstelle einer echten Surimi-Garnele erhält der Kunde im Handel unter Umständen gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform.

„Echt“ und „Surimi“ in einem Zusammenhang ist schon gewagt. Was ist nun eine „echte Surimi-Garnele“ anderes als gepresstes Fischeiweiß? Hat der Spiegel hier keine Ahnung und denkt, Surimi-Garnele sei sowas wie Kaisergranat? Oder ist die Industrie schon soweit, dass sie Fakes von Fakes verkauft, weil die Leute das erste Fake schon für echt halten?

(Jetzt hat der Spiegel es korrigiert. Stand aber da. Ich schwör.)

Hackarazzi
9. Juli 2009

In aller Kürze, weil ich bin müde: Der Guardian ist zwar ein Gutmenschenblatt, aber trotzdem eine der verfickt besten Zeitungen, die es derzeit gibt. Was die da gerade über die Methoden gewisser Boulevardzeitungen einer gewissen News Corp ausgegraben haben, ist pures Gold. Kein guter Tag für „Journalisten“. Nach unten ist es eben immer offen. Weit offen.

Piraten
9. Juli 2009

Eigentlich wollte ich immer mal was zur Piratenpartei schreiben und warum auch die es nicht schaffen werden, mich aus dem NichtwählerBlock zu lösen. Das ist nicht mehr nötig, denn bei Fixmbr steht das so schön zusammengefasst:

Das Heiseforum hat sich im realen Leben getroffen und die Piratenpartei gegründet.

Now that is fucking scary.

Action, Baby
5. Juli 2009

Manchmal stolpert man beim Lesen über Sätze. Letztens wieder so einer, in einem NYT-Artikel über Kathryn Bigelow.

She’s steered clear of the industry ghetto to which female directors are usually consigned, bypassing the dreaded chick flick for stories and archetypes traditionally if reductively seen as the province of men.

Frauen dürfen in Hollywood höchstens bei Chickflicks auf dem Regiestuhl Platz nehmen, das ganz große Kino bleibt Testoronbolzen wie Michael Bay oder Versagern wie McQ vorbehalten. Dabei ist jeder Furz, den Frau Bigelow lässt, interessanter als alles, was Bay, McQ und Konsorten jemals machen werden.

Bigelow hat die Popkultur zweier Jahrzehnte maßgeblich geprägt – und das mit nur zwei Filmen: Near Dark (was macht eigentlich Jenny Wright?) und Point Break. Auch Strange Days und selbst near misses wie K-19 The Widowmaker sind noch ansprechender als die überproduzierten Effektspektakel, die heute so als großes Kino durchgehen. Ich bin gespannt auf The Hurt Locker.

Pimping
4. Juli 2009

Wenn die alten Geschäftsmodelle ihren Qualitätsjournalismus nicht mehr tragen, müssen eben neue her. Auf der Suche nach neuen Geldquellen werden auch große Medienhäuser immer verzweifelter und machen dabei vor nichts mehr halt. Einen weiteren Höhepunkt in dieser übelriechenden Geschichte der Verwesung einer ganzen Branche setzte nun die ehrenwerte Washington Post. Deren Herausgeberin Katherine Weymouth wollte ihre Journalisten auf den Lobby-Strich schicken.

Die Idee, die wohl im Marketing-Department der Post ausgebrütet wurde, sieht Weymouth als Gastgeberin für eine Reihe exklusiver Dinner in ihrem Haus vor. Auf der Einladungsliste: Lobbyisten. Sie sollten in ungezwungener Atmosphäre, completely off the record, mit Regierungsvertretern, Abgeordneten und anderen „ausgewählten“ Entscheidern zusammentreffen können.

„Ein Abend mit den richtigen Leuten kann die Debatte verändern“, wirbt der Verlag in einem Flyer. „Bringen Sie den CEO oder Exekutivdirektor Ihrer Organisation buchstäblich an den Tisch.“ Menupreis: 25000 Dollar, beim Kauf der Zehnerkarte gibt’s einen Abend gratis. Kontakt zu leitenden Journalisten inklusive. Bei dem für den 21. Juli geplanten ersten Dinner sollte der Post-Chefredakteur Marcus Brauchli mit am Tisch sitzen.

Das gemütliche Beisammensein wurde jetzt abgesagt. Denn ein Flyer, mit dem die Post den bunten, wenn auch nicht ganz billigen Abend einem Lobbyisten der Gesundheitsbranche schmackhaft machen wollte, landete bei Politico. Bei der Qualitätszeitung ist jetzt Schadensbegrenzung angesagt: der Flyer sei das Werk einer „übereifrigen“ Marketingabteilung, so nie autorisiert worden und überhaupt eine völlig verzerrte Darstellung der geplanten Abende.

Brauchli versucht, seine Truppe vor Schaden zu schützen und erklärte, die klaren Bedingungen der Redaktion für eine Teilnahme an den „Salons“ seien vom Marketing nicht berücksichtigt worden, zu einem bedingungslosen „off the record“ sei er nicht bereit. „Wir werden nicht an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen die Post gegen Geld Zugang zu Redaktionspersonal oder Zurückhaltung bei kritischen Fragen verspricht“, schrieb Brauchli in einer E-Mail an die Redaktion. „Das deutet an, dass der Zugang zu Journalisten der Washington Post käuflich sei.“

Angeblich soll es die Pläne bei der klammen Zeitungsgruppe schon länger geben. Dass der Newsroom jetzt auf Entrüstung macht, ist ein bisschen verwunderlich. Denn angeblich waren auch Redaktionsmitglieder in die Pläne einbezogen. Aber Journalisten sind halt Nutten mit Prinzip: Sie lassen sich nicht gerne verhökern, ihren Preis bestimmen sie lieber selbst.

Das Bild ist aus besseren Zeiten.