Archive for September 2009

Münte
27. September 2009

Das erwartete und dringend nötige Desaster für die SPD. Während direkt nach der ersten Prognose der Nachwuchs-Sozi Björn Böhning eine Selbstreinigung der Partei fordert und sich damit schonmal in Stellung bringt, mauern Steinmeier und Münte. Mit der für geschlagene alte Männer typischen Argumentation („jetzt Verantwortung übernehmen und nicht aufgeben“) klammern sie sich an ihre Posten und machen damit eines genau nicht: Verantwortung übernehmen.

Verantwortung zu übernehmen hieße hier, sich und der Partei einzugestehen, dass es der Kurs der alten Apparatschiks um Müntefering war, der die SPD in diese epochale Niederlage geführt hat, und der offenbar von vielen der alten SPD-Wählern nicht für richtig gehalten wird. Die logische Folge ist der Rücktritt – und damit den Platz räumen für eine jüngere Generation, die es anders machen will und kann. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob das besser ist, wenn die jüngere Generation dann mit Böhning, Nahles und Heil aufmarschiert.

Aber es ist ja noch niemand zurückgetreten, auch nicht Münte, der sich nicht erst durch seine neue Freundin im besten Enkelinnenalter zur Lachnummer gemacht hat. Die alten Säcke klammern sich an die Macht. Nur werden Nahles (die wahrscheinlich den ganzen Abend schon rumtelefoniert und ihr Netzwerk in Stellung gebracht hat) und Konsorten das nicht mehr einfach so hinnehmen. Da werden Messer gewetzt, es wird ein Blutbad geben.

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Favre
27. September 2009

Lucien Favre wird nach dem heutigen Debakel in Hoffenheim und dem einigermaßen unglücklichen Ausscheiden im Pokal gegen die Sechziger wohl nicht mehr zu halten sein, trotz aller Lippenbekenntnisse des Managers in den vergangenen Tagen. Es sei denn, Preetz und die Geschäftsführung ignorieren die ehernen Regeln des Profifußballs. Aber auch bei den Fans dürfte der Schweizer Trainer inzwischen jeden Bonus verspielt haben.

Das ist schade. Denn ich halte Favre tatsächlich für einen guten Trainer. Immerhin hat er schon gezeigt, dass er mit einem einigermaßen fähigen Kader außerordentliches zu leisten im Stande ist. Leider fehlt ihm das in dieser Spielzeit: ein einigermaßen fähiger Kader. Das Überraschungsteam der vergangenen Saison ist mit den Abgängen von Simunic, Woronin und Pantelic auseinandergefallen. Hertha fehlen die Ausnahmespieler, die für die innere Bindung sorgen könnten. Vor allem aber fehlt ein Sturm, der die Nüsse auch reinmacht – die Verpflichtung von Artur Wichniarek lässt da nicht gerade hoffen. Dennoch: Favre sollte eine Chance bekommen, in Ruhe weiterzuarbeiten.

Hertha zahlt jetzt die Zeche für die ganzen Jahre, in denen der Verein über seine Verhältnisse gelebt hat. Wer jemals eine Mitgliederversammlung in den 90er Jahren besucht hat, wird sich wie ich wundern, dass dieser Intrigantenstadel mit Kleingartendimension nicht schon längst implodiert ist. Preetz hat ein schweres Erbe angetreten. Aber der Lange hat bei den Fans (zumindest bei alten Säcken wie mir) einen Stein im Brett. Hoffentlich haben er und der Trainer auch die Zeit, die sie brauchen.

Update: Auch das Hertha-Blog bezieht Stellung pro Favre.

Offline
18. September 2009

Hier ist erstmal Pause.

Bodhi
14. September 2009

Patrick Swayze 1952 – 2009

Mahnwache?
13. September 2009

Police Brutality ist natürlich unschön. Sowas wie am Samstag in Berlin ist nach meiner Erfahrung bei so ziemlich jeder größeren Demo passiert. Das Beispiel soll aber nicht der Relativierung dienen, sondern nur veranschaulichen, warum man die Piraten nicht wählen kann.

Heute verschickte die Berliner Piratenpartei eine Pressemitteilung, die folgendermaßen beginnt:

Junge Piraten rufen zur Mahnwache gegen unverhältnismäßige Polizeigewalt auf

Die Jungen Piraten Deutschland rufen zur Mahnwache gegen unverhältnismäßige Polizeigewalt am Montag, 14.09.09, um 18 Uhr am Platz der Luftbrücke auf. Die Jungen Piraten möchten damit Ihre Forderung unterstreichen, dass der dokumentierte Übergriff der Polizei auf friedliche Demonstranten im Zuge der Demo “Freiheit statt Angst” vorbehaltlos aufgeklärt wird.

Mahnwache? Ich finde ja Lichterketten schicker.

9/11
11. September 2009

Full Disclosure
10. September 2009

Frau Dr. Bunz, ihres Zeichens Erstunterzeichnerin dieses nicht ganz so gut angekommenen Manifestes, hat ja nach ihrem mutmaßlich nicht ganz reibungsfreien Abgang beim Tagesspiegel Unterschlupf beim auch angeschlagenen Londoner Guardian gefunden, einer von mir durchaus geschätzten Zeitung. Uns Mercedes schreibt da über das Manifest, erwähnt ihre eigene Beteiligung en passant und freut sich über die internationale Beachtung in den Medien.

Und – oh my god – JEFF JARVIS hat es GETWITTERT! (That’s when Knüwer creamed his pants).

Kein Wort von dem heap of shit den die deutsche Blogosphäre gerade über unseren Manifest-Autoren auskippt. Kein Wort von der harten Kritik, der Häme, der kontroversen Diskussion. How’s that for professional journalism?

Immerhin geben unsere britischen Freunde in den Kommentaren eine Kostprobe ihres unvergleichlichen Humors. „It’s funny how the people keenest on ‚journalism manifestos‘ never actually do any“, bemerkt Kommentator Boombox nicht ohne Süffisanz. Woraufhin der als Bunzens Guardian-Kollege ausgewiesene Stephen Moss den gescholtenen teutonischen Bloggern beispringt:

That’s so unfair boombox. Sascha Lobo has been doing remarkable reportage from Kabul, Mario Sixtus has penetrated the tribal areas in Pakistan and filed a 200,000-word report on how Al-Qaida operates on his blog, and Thomas Knuewer is no doubt even now exposing commercial exploitation in the developing world, local government corruption in Dusseldorf and banking scandals across Europe. This is absolutely not just navel-gazing German theorising.

‚Nuff said.

Stylaz and Guidos
9. September 2009

In Mitte laufen wieder mehr Männer mit korrekten Kurzhaarschnitten durch die Straßen. Das ist Ausdruck einer modischen Absetzbewegung, nötig geworden durch die Usurpation der Street-Fashion durch den Mainstream. Streetwear wird jetzt von metrosexuellen Provinznüssen getragen. Deren Neuinterpretation der Street Culture gibt es längst auch bei Kik. Wenn ein Modetrend beim Discounter in der Provinz angekommen ist, ist er tot.

Dass inzwischen sogar der jeglicher Nähe zum homosexuellen Milieu weitgehend unverdächtige männliche Nachwuchs der Familien mit Migrationshintergrund effeminierte Frisuren und Styles trägt, für die ihre großen Brüder vor einigen Jahren noch jeden vermöbelt hätten, ist nur eine ironische Randnotiz der Kulturgeschichte. Stylaz and Guidos.

Frisurentechnisch ist der kunstvoll unfrisierte, aber ursprünglich noch einigermaßen dezente Mitte-Bop auf dem Kopf zahlreicher C-Promis zu einem explodierten toten Tier mutiert und deshalb Grund für eine Rückbesinnung auf das, was ein alter Weddinger Friseur mal den tschechischen Militärschnitt nannte. Er kannte keinen anderen. Mein türkischer Coiffeur macht ihn übrigens ohne Fassong, was ich sehr begrüße.

Zentraler Eckpfeiler
9. September 2009

Zu dem tollen Manifest sag ich jetzt mal nichts, das haben andere schon übernommen. Nur eins: Es sind wieder die üblichen Verdächtigen.

Fucking Hitler
7. September 2009

Was soll man dazu sagen? Verunreinigtes Kokain? Werber halt.