Oldies

Alte Leute sind ein Problem. Das traut sich heutzutage kaum jemand so auszusprechen. Und wenn es doch jemand wagt, wie gewisse junge Konservative, fällt die Seniorenkamarilla über sie her. Wie kann man nur. Wo bleibt der Respekt vor der Lebensleistung, den Erfahrungen, dem Aufbau dieses Landes. Und überhaupt.

Schon hier ist der erste Fehler passiert: Sie sagen Respekt und meinen Ehrfurcht. Respekt verlangt nach Gegenseitigkeit. Daran hat die Seniorenlobby aber kein Interesse. Mit dem Argument der Lebensleistung wird der Anspruch formuliert, dass alles so bleibt wie es ist. Scheißegal, dass der Wohlstand im Alter auf Kosten der Jüngeren gesichert wird. Die viel beschworene Solidarität zwischen den Generationen existiert nur in einer Richtung.

Natürlich ist es nicht schön, wenn man Jahrzehnte lang gearbeitet hat und diese Lebensleistung dann im Alter nicht mehr für ein standesgemäßes Auskommen reicht. Dafür kann man Verständnis aufbringen. Den eigenen Lebensstandard auf Kosten der nachfolgenden Generationen zu sichern kann die Lösung aber nicht sein. Was in der öffentlichen Debatte zumeist fehlt, ist Verständnis für die Lasten, die jüngere Generationen jetzt schon tragen.

Wer jetzt etwa einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgeht, führt einen Großteil seines Einkommens in die Leistungstöpfe ab, aus denen die Alten versorgt werden. Da man davon ausgehen kann, dass diese Kassen für heutige Einzahler später erheblich weniger hergeben werden und der Lebensstandard damit allein nicht zu halten ist, kommen nicht unerhebliche Kosten für private Zweit- und Drittvorsorge dazu.

Auch sonst sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zur Einkommensentwicklung abhängig Beschäftigter in den vergangenen Jahrzehnten eher überproportional gestiegen. Inzwischen sind wir soweit, dass selbst Familien mit gutem Einkommen nicht mehr allzu viele Reserven haben, um etwas für später oder schwere Zeiten zurückzulegen. Und hier liegt ein elementarer Unterschied zwischen Alt und Jung.

Die älteren Generationen, bis zu den jetzt im Rentenalter angekommenen Achtundsechzigern, haben unbestreitbar einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau dieses Landes geleistet. Sie konnten dies in einem wirtschaftlichen Umfeld, das Wachstumsperspektiven bot und persönlichen Wohlstand versprach. Wohlhabend sind so viele geworden; das eigene Häuschen, Auto, Urlaub. Wie diese Generationen auch von äußeren Bedingungen profitiert haben, wird in der Debatte gerne unter den Tisch fallen gelassen. Stattdessen wird weiter an der Legende der Trümmerfrauen gestrickt.

Das Umfeld ist jetzt ein anderes. Das Wohlstandsversprechen gilt nur noch für eine immer kleiner werdenden Teil der Gesellschaft, der dafür so richtig absahnen kann. Die Mittelschicht schlägt sich so gerade eben durch, trägt aber die Hauptlasten unseres Systems. Das aber ist dringend reformbedürftig. Und dagegen sperren sich die maßgeblich Verantwortlichen: Die Politiker in einflussreichen Positionen, ohnehin zumeist älter, und die Senioren-Lobbies. Und die Masse der Wähler wird auch nicht jünger.

Die letzte Generation, die noch mit dem Aufstiegsversprechen des Wirtschaftswunders groß geworden ist und nach 1968 an die gut dotieren Akademikerpöstchen gekommen ist, tritt jetzt ab. Noch einmal wird der von ihnen erarbeitete Wohlstand an die Kinder vererbt und das Schlimmste damit abgefedert. Das wird nicht noch einmal so glimpflich abgehen. Seit Jahrzehnten wissen auch die selten jungen Führungspersönlichkeiten, dass dieses System kollabieren wird.

Deshalb sind die Alten ein Problem: Weil sie maßgeblich Verantwortung tragen und das Risiko sehenden Auges immer wieder auf die Nachfolgegenerationen abwälzen. Irgendwann wird es richtig knallen. Die Generation Mallorca-Rentner interessiert das nicht. Sie ist dann schon weg.

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