Neger

Wallraff begreift es nicht. Mit seiner jüngsten „Undercover“-Aktion beschädigt der „Journalist“ nicht nur sein in Teilen immerhin respektables Lebenswerk, sondern er demaskiert sich selbst. Wallraff geht es vor allem auch um Wallraff. Und der ist irgendwo in den 80ern stecken geblieben.

Wallraffs neue Nummer versagt gleich auf mehreren Ebenen. Als eitler weißer Mann mit ein bisschen Schuhwichse im Gesicht maßt er sich an, die Erfahrungen von Dunkelhäutigen in Deutschland nachvollziehen zu können. Dabei gibt er in bester Kolonialherrenmanier den wilden Buschneger und geht den Leuten ziemlich auf den Sack.

Damit kommen wir zum zentralen Konstruktionsfehler dieser „Enthüllungsgeschichte“: Wallraffs Maskerade ist so durchsichtig, dass sie wohl nur bei minderbemittelten Landeiern zieht. Oder eben als Maskerade enttarnt wird und deshalb abweisende Reaktionen hervorruft. Er schießt sich damit selbst in den Fuß.

Wenn der Gutmenschenjournalist die ganze Aufregung und sie Kritik aus der Black Community nicht versteht, empfehle ich einen Blick über den großen Teich. Dort gab es jüngst eine heftige Auseinandersetzung über Fotos in der „Supermodel“-Ausgabe der französischen Vogue. Schwarze Models sucht man darin vergeblich, dafür gibt es ein weißes Mädchen schwarz getüncht. Aus rein „künstlerischen“ Gründen natürlich.

Ob sich Wallraff über die Vogue erregt hätte? Für das Verständnis der historischen Topoi „Blackface“ und „Minstrel“ jedenfalls reichen seine 68er-Sensibilitäten nicht.

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