Archive for März 2010

„Kummer bei Neon“
21. März 2010

Neues von der Borderline: Da hat also einer dieser narzisstisch gestörten Berufsjugendlichen von der Neon das begehrte Interview mit Beyoncé doch nicht bekommen und es kurzerhand einfach erfunden. Der dumme Zufall will, dass der in der Januar-Ausgabe veröffentlichte Beitrag dank der Fan-Blogosphäre den Sprung über die Sprachgrenze schafft und dem US-Management der Sängerin auffällt. Groß war deren Verwunderung, dass Madame ausgerechnet mit irgendsoeinem german hack über Butterpreise und Eheverträge plaudern sollte.

Das hätte so allerdings auch den Kontrollinstanzen bei der Neon auffallen müssen, in verantwortlicher Position wären da ein Textchef und zwei Chefredakteure zu nennen. Aber die Herren halten sich offenbar für sowas von die Crème des deutschen Hipster-Journalismus, dass es sie gar nicht gewundert hat, dass die ansonsten von einer geölten PR-Maschinerie luftdicht abgeschirmte Super-Beyoncé ausgerechnet einem der Ihren tiefe Einblicke in ihr Privatleben gewährt. Some common sense, anybody?

Bei der Neon meinen sie jetzt offenbar, mit der fristlosen Kündigung des Borderline-Reporters sei der Redaktionshygiene genüge getan. Ingo M. ist entsorgt, fünf weitere seiner Texte sollen Anlass zu Beanstandungen gegeben haben. Was mit dem Rest ist, weiß kein Mensch. Ein paar Stichworte für die Recherche, wie man mit sowas umgehen kann: Jayson Blair New York Times.

Interessant auch die Reaktionen der Kollegen. Die taz-Chefredakteuse suhlt sich in der blatt-typischen Selbstgerechtigkeit. Zwar hat sie nicht ganz Unrecht, wenn sie durch solche Ausflüge an die Borderline die Glaubwürdigkeit der ganzen Profession weiter untergraben sieht. Ein Lamento über den großen wirtschaftlichen Druck gerade auf der Arbeit freier Journalisten lesen zu müssen in einem Blatt, das auch seinen Festen kein branchenübliches Gehalt zahlt, ist befremdlich.

Noch besser kann es allerdings die Süddeutsche. Die verbindet die Causa Neon mit einer Breitseite auf den Verlag Gruner und Jahr und raunt was von einem „Problem“. Schließlich ist die Neon die Jugendpostille des G+J-Schlachtschiffs Stern. Und da war doch mal was mit diesen Hitler-Tagebüchern. Aha! Immerhin wagt es die SZ nicht, die näherliegende Geschichte zu unterschlagen: Tom Kummer, der Promi-Geschichten für das SZ-Magazin „frisiert und toupiert hatte„, wie es die SZ verniedlicht haben möchte. „Gefälscht“ wäre das richtige Wort, liebe Christina Maria Berr. Hast du ja schonmal richtig verwendet, weiter oben im Text.

Sountrack: Jay-Z, I got 99 problems but a bitch ain’t one.

Headline courtesy of Der Standard.

Abstieg
14. März 2010

Mit der unnötigen Heimpleite gegen Nürnberg dürfte auch der letzte Zweckoptimist begriffen haben, dass es für Hertha BSC Berlin am Ende der Saison nur einen Weg gibt: den in die zweite Liga. Und zwar ohne Umweg über den letzten Strohhalm Relegation. Natürlich müssen Gegenbauer, Preetz und Konsorten weiter Optimismus verbreiten, solange der Klassenerhalt rechnerisch noch möglich ist. Aber das Gesicht von Preetz nach dem späten Siegtor der Nürnberger sagt eigentlich alles: dem Manager ist in dem Moment schlagartig klar geworden, dass Hertha absteigen wird.

Auch Preetz trägt dafür die Verantwortung. Allerdings nicht alleine. Zudem war und ist sein Handlungspielraum eingeschränkt. Der lange Schatten von Dieter Hoeness liegt noch über dem Verein. Hertha zahlt einen hohen Preis für die Misswirtschaft der vergangenen Jahre und die absurde Autosuggestion der Verantwortlichen, die wohl tatsächlich geglaubt haben, man könne aus der alten Dame eine Gelddruckmaschine à la FC Bayern machen.

Den Jungs vom Hertha-Blog geht jetzt die Muffe, für die jüngeren Fans ist „1995“ ein echtes Horrorszenario. Been there, done that. Alles halb so wild. Zweite Liga kann auch Spaß machen. Allerdings braucht der Verein da erstmal eine Erneuerung. Preetz ist dafür immer noch der richtige Mann. Er sollte die Chance bekommen, den Karren auch wieder aus dem Dreck zu ziehen. Weil reingefahren haben ihn andere – zu allererst die Mannschaft.

Auf Funkel allerdings kann ich verzichten – wenig überraschend steht der Trainer zur Debatte. Die MoPo gibt ihm noch ein paar Tage. Wer kommt danach? Ich bin gegen einen Feuerwehrmann oder eine Übergangslösung. Wir brauchen eine Perspektive für die zweite Liga. Nur wer? Sverrisson oder Rekdal sind verlockende Lösungen, aber ich habe da meine Zweifel. Heine? Tretschok? Ich weiß es nicht.

Noch ein paar Worte zur medialen Entrüstung über die „Ausschreitungen„: Regt euch mal wieder ab. Das war ja nun nicht Heysel. Ein bisschen Ostkurve müsst ihr schon abkönnen, die steigen auch nur alle paar Jahre ab. (Und was Schäfer sich da geleistet hat, war vielleicht nicht ganz fein, gehört aber ebenso dazu.) Für die Clubführung ist es eine willkommene Abklenkung, sich jetzt mit den Hools zu beschäftigen. Da kann man die Planung für die zweite Liga noch ein bisschen liegen lassen.