„Kummer bei Neon“

Neues von der Borderline: Da hat also einer dieser narzisstisch gestörten Berufsjugendlichen von der Neon das begehrte Interview mit Beyoncé doch nicht bekommen und es kurzerhand einfach erfunden. Der dumme Zufall will, dass der in der Januar-Ausgabe veröffentlichte Beitrag dank der Fan-Blogosphäre den Sprung über die Sprachgrenze schafft und dem US-Management der Sängerin auffällt. Groß war deren Verwunderung, dass Madame ausgerechnet mit irgendsoeinem german hack über Butterpreise und Eheverträge plaudern sollte.

Das hätte so allerdings auch den Kontrollinstanzen bei der Neon auffallen müssen, in verantwortlicher Position wären da ein Textchef und zwei Chefredakteure zu nennen. Aber die Herren halten sich offenbar für sowas von die Crème des deutschen Hipster-Journalismus, dass es sie gar nicht gewundert hat, dass die ansonsten von einer geölten PR-Maschinerie luftdicht abgeschirmte Super-Beyoncé ausgerechnet einem der Ihren tiefe Einblicke in ihr Privatleben gewährt. Some common sense, anybody?

Bei der Neon meinen sie jetzt offenbar, mit der fristlosen Kündigung des Borderline-Reporters sei der Redaktionshygiene genüge getan. Ingo M. ist entsorgt, fünf weitere seiner Texte sollen Anlass zu Beanstandungen gegeben haben. Was mit dem Rest ist, weiß kein Mensch. Ein paar Stichworte für die Recherche, wie man mit sowas umgehen kann: Jayson Blair New York Times.

Interessant auch die Reaktionen der Kollegen. Die taz-Chefredakteuse suhlt sich in der blatt-typischen Selbstgerechtigkeit. Zwar hat sie nicht ganz Unrecht, wenn sie durch solche Ausflüge an die Borderline die Glaubwürdigkeit der ganzen Profession weiter untergraben sieht. Ein Lamento über den großen wirtschaftlichen Druck gerade auf der Arbeit freier Journalisten lesen zu müssen in einem Blatt, das auch seinen Festen kein branchenübliches Gehalt zahlt, ist befremdlich.

Noch besser kann es allerdings die Süddeutsche. Die verbindet die Causa Neon mit einer Breitseite auf den Verlag Gruner und Jahr und raunt was von einem „Problem“. Schließlich ist die Neon die Jugendpostille des G+J-Schlachtschiffs Stern. Und da war doch mal was mit diesen Hitler-Tagebüchern. Aha! Immerhin wagt es die SZ nicht, die näherliegende Geschichte zu unterschlagen: Tom Kummer, der Promi-Geschichten für das SZ-Magazin „frisiert und toupiert hatte„, wie es die SZ verniedlicht haben möchte. „Gefälscht“ wäre das richtige Wort, liebe Christina Maria Berr. Hast du ja schonmal richtig verwendet, weiter oben im Text.

Sountrack: Jay-Z, I got 99 problems but a bitch ain’t one.

Headline courtesy of Der Standard.

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