Archive for Januar 2011

Shitstorm
20. Januar 2011

Ich seh das ja ein bisschen anders als der Herr Vatter. Mir würde nicht im Traum einfallen, die seichte Erregungswelle, die da gerade durch die deutsche Blogosphäre schwappt, in irgendeine Beziehung zu der Ölflut im Golf von Mexico zu setzen. Und mit Zensur hat das nun schon gar nichts zu tun. Dem lieben René wurde ja nicht die Möglichkeit genommen, weiter das Internet vollzuschreiben. Sondern nur die Adresse, unter der er das bisher getan hat. Jetzt hat er eben eine neue. Da kann er sich schön in abgeschmackten Rebellenposen üben.

Die paar Äußerungen, auf die das in solchen Angelegenheiten erwiesenermaßen nicht zimperliche Unternehmen angesprungen ist, und die den Stein erst ins Rollen brachten, zeigen doch vor allem, dass der schöne René genau wusste, mit wem er es zu tun hat. Das Ganze ist wohl doch eher nur „der folgenreiche Fauxpas eines Blogger-Deppen, der zu blöd war, seine Rechnungen zu bezahlen“ (Vatter). Also braucht Herr Nerdcore jetzt nicht rumzuheulen und feixend auf den Shitstorm zu warten, der diese Düsseldorfer Webdesign-was-auch-immer-Bude aus dem Internet spült. An alle, die mitquirlen: Grow a pair, and grow up.

In Kolumnistan
16. Januar 2011

Doch, die meinen das ernst. Deutschlands Lightmedium macht auf Qualitätsjournalismus und beglückt uns mit neuen Kolumnisten. Erste Enttäuschung schon bei der Vorstellung der Mannschaft: Sascha Lobo ist dabei und darf natürlich aus dem Maschinenraum berichten. Weil der Sascha ist ja digitaler Bohemien und hatte seine erste E-Mail-Adresse schon 1999. Dass sich die alte Medien-Garde von einem wie Lobo vormachen lässt, er sei der netzmäßige Oberchecker, illustriert schön deren kapitales Missverständnis vonnet Janzen. Lobo allerdings lässt sich verschmerzen, wenn man sieht, wer noch dabei ist. Und damit meine ich nicht Jan Fleischhauer.

Die erste Woche ist rum, jeder durfte einmal ran, der erste Eindruck: Nun ja. Der Spiegel hatte zwei gute Ideen. Fleischhauer eine politische Kolumne zu geben und Sibylle Berg über irgendwas schreiben zu lassen. Dann ging es den Bach runter. Das Brainstorming in der Redaktion sah etwa so aus: „Lass den Jan doch wöchentlich über die Linken lästern“. – „Ich war neulich bei einer Lesung von der Berg, die könnten wir mal fragen.“ – „Lass sie uns doch beide bringen.“ Und dann hat ihn einer, den Geistesblitz: „Nee, wir machen eine tägliche Kolumne, sechs Tage die Woche, sechs Autoren zu sechs verschiedenen Themenbereichen.“

Diese großartige Idee hat nur einen Haken: Die Tage zwischen Montag, an dem Fleischhauer dran ist, und Frau Berg am Samstag wollen gefüllt werden. Lobo ist da fast zwangsläufig engere Wahl. Und weil jemand, der sich kompetent über die SPD lustig macht, in unserer sozialdemokratischgrünen Konsensgesellschaft schon als Rechtsaußen gilt, muss natürlich ein Gegenpol zu Fleischhauer her. Für den soll Millionen-Erbe Jakob Augstein mit „Im Zweifel links“ sorgen, der mit seinem ersten Beitrag aber höchstens Zweifel an seinem Geisteszustand schürt. Augsteins Debüt markiert den intellektuellen Tiefpunkt der Kolumnenwoche, was auch den Spiegel-Lesern nicht entgangen ist.

Spiegel-Mann Georg Diez ist „der Kritiker“ mit Mitte-Brille. Seine ansonsten wenig aufregende Eloge auf die „postmodernen Tragödien“ von Rene Pollesch verweist auf das Kernproblem des deutschen Subventionstheaters und des darum kreisenden Feuilletons: es ist von Gestern. Pollesch ist Neunziger und die Postmoderne auch nicht mehr lustig. Fehlt noch eine. Die Society-Schreibselette Steffi Kammerer hat der Spiegel kurz vor der Borderline eingefangen und lässt sie irgendwas über den Jetset schreiben. Fast hätte es niemand mitbekommen.

Neues von der Borderline
10. Januar 2011

Frau Kammerer (die mit dem intimen Obama-Porträt, das gar nicht so intim war, dafür aber ‚business as usual‚) gibt jetzt bei Spiegel Online einmal wöchentlich die Klatsch-Kolumnistin.

Apropos Borderline, was macht eigentlich Sebastian W. so – außer seine Homepage löschen? Der Herr Niggemeier wollte das doch aufklären, wenn ich mich recht erinnere.

Aufmacher
7. Januar 2011

Bildunterschrift: „Realsozialismus in der FDP: Parteichef Westerwelle – hier beim Dreikönigstreffen – hält kaum noch ein Liberaler für den richtigen Mann an der Spitze. Gejubelt wird trotzdem.“