In Kolumnistan

Doch, die meinen das ernst. Deutschlands Lightmedium macht auf Qualitätsjournalismus und beglückt uns mit neuen Kolumnisten. Erste Enttäuschung schon bei der Vorstellung der Mannschaft: Sascha Lobo ist dabei und darf natürlich aus dem Maschinenraum berichten. Weil der Sascha ist ja digitaler Bohemien und hatte seine erste E-Mail-Adresse schon 1999. Dass sich die alte Medien-Garde von einem wie Lobo vormachen lässt, er sei der netzmäßige Oberchecker, illustriert schön deren kapitales Missverständnis vonnet Janzen. Lobo allerdings lässt sich verschmerzen, wenn man sieht, wer noch dabei ist. Und damit meine ich nicht Jan Fleischhauer.

Die erste Woche ist rum, jeder durfte einmal ran, der erste Eindruck: Nun ja. Der Spiegel hatte zwei gute Ideen. Fleischhauer eine politische Kolumne zu geben und Sibylle Berg über irgendwas schreiben zu lassen. Dann ging es den Bach runter. Das Brainstorming in der Redaktion sah etwa so aus: „Lass den Jan doch wöchentlich über die Linken lästern“. – „Ich war neulich bei einer Lesung von der Berg, die könnten wir mal fragen.“ – „Lass sie uns doch beide bringen.“ Und dann hat ihn einer, den Geistesblitz: „Nee, wir machen eine tägliche Kolumne, sechs Tage die Woche, sechs Autoren zu sechs verschiedenen Themenbereichen.“

Diese großartige Idee hat nur einen Haken: Die Tage zwischen Montag, an dem Fleischhauer dran ist, und Frau Berg am Samstag wollen gefüllt werden. Lobo ist da fast zwangsläufig engere Wahl. Und weil jemand, der sich kompetent über die SPD lustig macht, in unserer sozialdemokratischgrünen Konsensgesellschaft schon als Rechtsaußen gilt, muss natürlich ein Gegenpol zu Fleischhauer her. Für den soll Millionen-Erbe Jakob Augstein mit „Im Zweifel links“ sorgen, der mit seinem ersten Beitrag aber höchstens Zweifel an seinem Geisteszustand schürt. Augsteins Debüt markiert den intellektuellen Tiefpunkt der Kolumnenwoche, was auch den Spiegel-Lesern nicht entgangen ist.

Spiegel-Mann Georg Diez ist „der Kritiker“ mit Mitte-Brille. Seine ansonsten wenig aufregende Eloge auf die „postmodernen Tragödien“ von Rene Pollesch verweist auf das Kernproblem des deutschen Subventionstheaters und des darum kreisenden Feuilletons: es ist von Gestern. Pollesch ist Neunziger und die Postmoderne auch nicht mehr lustig. Fehlt noch eine. Die Society-Schreibselette Steffi Kammerer hat der Spiegel kurz vor der Borderline eingefangen und lässt sie irgendwas über den Jetset schreiben. Fast hätte es niemand mitbekommen.

Eine Antwort

  1. Kein Vergleich mit dem Original:

    http://www.titanic-magazin.de/rss.4064

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