Archive for Februar 2011

Früher
27. Februar 2011

(c) Michael Westdickenberg

(c) Timothy Fellsrow

(c) Timothy Fellsrow

This used to be my playground: Kommandantur, ca. 1991 bis 1995

Danke für Fotos und Genehmigung an Michael und Timothy.

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Konservativ
23. Februar 2011

Erstaunlich, wie gestandene Konservative rumeiern, wenn einer der Ihren mit den Fingern in der Keksdose erwischt worden ist. Unionisten üben sich in der Relativierung, und richten damit mehr Schaden an, als ihnen lieb sein dürfte. Dabei müssten sie Guttenberg schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb abschießen. Ich wage mal die steile These, dass die Union für den läppischen Umgang mit Guttenbergs Doktorspiel noch teuer wird bezahlen müssen. Konservative Werte müssen auch für Konservative gelten – das erwarten vor allem konservative Wähler. Die aber fühlen sich bei der CDU offenbar ohnehin nicht mehr heimisch.

Kulturbetrieb
19. Februar 2011

Das muss mir mal einer erklären: Da vergießt mindestens das halbe Kultur-Establishment die ganze Berlinale über Krokodilstränen, weil das iranische Jurymitglied von den Mullahs in den Knast gesteckt wurde und deshalb nicht nach Berlin kommen konnte. Und dann bekommt der iranische Film, der es mit dem Segen der Teheraner Zensoren in den Wettbewerb geschafft hat, drei Hauptpreise? Merken die noch was?

Kosslick und Konsorten haben aus dem Festival einen Asta-Filmclub gemacht. Ich will de Hadeln wiederhaben.

Siehe auch: Kothenschulte in der Berliner.

Gentrifizierung
19. Februar 2011


Kollwitzplatz, damals. Foto: Michael Schultke

Ich bin schuld am Prenzlauer Berg. Beziehungsweise daran, dass der Prenzlauer Berg das ist, was er heute ist – ein Paradies für zugereiste Besserverdienende mit Familie und doppeltem Einkommen (oder auch nicht mehr doppelt). Eines der besseren Viertel der neuen Hauptstadt, in dem Berlin kaum noch zu erkennen ist und das überall sein könnte, vielleicht sogar in Hannover.

Ich bin schuld, weil ich Anfang der 1990er Jahre zur ersten Welle dessen gehört habe, was man heute Gentrifizierung nennt. Wir sind damals mit einer Horde Studenten, "Künstlern" und anderen Pennern in einen etwas heruntergekommenen und halbleeren Bezirk im neu erschlossenen Ostteil der Stadt gezogen und haben uns dort niedergelassen, Wohnungen renoviert und teils in Eigenarbeit die Hausinfrastruktur saniert. Eingeladen hat uns keiner, was uns die Eingeborenen anfänglich auch haben spüren lassen.

Damals nahm eine Entwicklung ihren Anfang, an deren Ende Bionade-Biedermeier und Town Houses stehen. Und ein Bezirk, der kaum noch wiederzuerkennen ist. Gentrifizierung wird das heute genannt. Der linke Kampfbegriff, der Gentrifizierung heute ist, beschreibt dabei nur die möglichen Schattenseiten: die Verdrängung der angestammten Bewohner, die Spekulation mit Immobilien. Dabei muss der Zuzug von urbaner Boheme nicht zwingend zu Verdrängung und unbezahlbaren Mieten führen. Das kann auch was Gutes sein: Eine kaputte Gegend wird durch Zuzug wieder lebenswerter. (mehr …)

Glaubensfragen
12. Februar 2011

Ist das der Anfang einer Revolution?

„Ich glaube noch nicht. Das ist erst der Anfang, wir wissen noch nicht, wie das Ganze ausgeht. Erst wenn sich die Situation weiter hochschaukelt. Ich glaube nämlich nicht, dass diese jungen Demonstranten, viele Studenten sind dabei, das lange durchhalten werden. Es sei denn, die Proteste greifen auf andere Bevölkerungsteile über. […]

Ich muss ehrlich sagen, ich glaube nicht daran. Ich glaube nämlich, dass dieses System, so wie es sich derzeit darstellt, relativ reformunfähig ist. Ich hoffe, dass die Proteste bald abebben. Vielleicht wird es das eine oder andere Zugeständnis geben, aber ich glaube nicht, dass es hier durchgreifende demokratische Reformen gibt.“

(Dietmar Ossenberg, ZDF-Korrespondent in Kairo und Autor der ZDF-Reportage „Abenteuer Ägypten: Mit Dietmar Ossenberg unterwegs“, am 26. Januar 2011 im heute journal).

Am 11. Februar ist Mubarak zurückgetreten. In der ganzen Region Maghreb und Naher Osten gehen die Menschen auf die Straßen.