Bunga Bunga

Öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalisten nutzen also Urban Dictionary. Anders lässt sich nicht erklären, dass Phoenix-Moderator Michael Sahr in einer Schalte zum Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi mit folgendem Satz brilliert:

[…] Zur Rede stehen ja diese sogenannten „Bunga Bunga“-Partys, also anale Massenvergewaltigung […]

Wollen wir zu Sahrs Gunsten mal annehmen, dass er sich das nicht selbst zusammengegoogelt hat, sondern ein überbezahlter „Redakteur“. Google liefert als erstes Suchergebnis für „Bunga Bunga“ einen Beitrag einer österreichischen „Community-Zeitung“, in dem zu lesen ist:

Das Online-Wörterbuch „Urban Dictionary“ liefert zwei Erklärungen dazu:

1.) Äußerst brutale Anal-Massenvergewaltigung. Angeblich bevorzugte Bestrafung bei einem fiktiven afrikanischen „Stamm“.

und liefert die englischsprachige Originalquelle gleich mit:

definition for „bunga-bunga“:

1) Savagely brutal anal gang-rape. Fabled punishment for trespassing on the tribal land of a fictitious African tribe.

Ich weiß nicht, ob es die „anale Massenvergewaltigung“ auf diesem Weg in Sahrs Moderation geschafft hat. Anders ist es aber nur schwer zu erklären, denn alles deutet auf die Urban Dictionary als Quelle.

Dass sich bei einem öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten noch nicht herumgesprochen hat, dass Urban Dictionary nicht sowas wie die Wikipedia ist und schon gar kein „Wörterbuch“ – geschenkt. Aber die „Quelle“ enthält so ein paar Signalwörter, an denen der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalist hätte hängenbleiben können – von „österreichisch“ und „Community-Zeitung“ will ich ja gar nicht erst anfangen: „angeblich“ und „fiktiv“ beziehungsweise in der englischen Fassung „fabled“ und „fictitious“. Und wenn sich der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalist oder die öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalistin nicht selbst ganz so ernst nehmen (und zum Lachen ins Archiv gehen) würde, dann wäre vielleicht auch dieser Altherrenwitz bekannt, den Berlusconi offenbar so witzisch findet.

Aber wo das Phoenix-Team schon mal auf Urban Dictionary unterwegs ist, hier mein Tipp für die nächste knallharte Recherche: facepalm.

(Gesehen in der heute show. Und ich will gar nicht wissen, was das hier wieder für Referrer gibt.)

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