Fuck you


Fuck you, Uefa. And shame on you, ARD/ZDF. Der europäische Fußballverband schickt uns geschönte Bilder aus Polen und der Ukraine, damit auch nicht der kleinste Misston die schönen Spiele trüben möge. Die Uefa denkt sich, wenn wir schon in der Ukraine sind, können wir denen gleich mal zeigen, wie das geht mit der Macht der Bilder. Kein durchgeknallter Ost-Diktator nimmt es da mit Fußballfunktionären auf. Und unsere öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten jammern jetzt pro forma ein bisschen rum, lassen sich aber bei nächster Gelegenheit wieder von Verbandsmafiosi wie Platini und Blatter am Nasenring durch die Manege führen.

Nicht die kleinste Kleinigkeit soll das Fest der Nationen stören. Von den Femen-Girls, die sich vor den Stadien nackig machen und sich dafür von ukrainischen Junta-Schergen verprügeln lassen müssen, ganz zu schweigen. Ein völlig harmloses Plakat, ein Flitzer, ein paar Bengalos, von kroatischen Fans auf den dunkelhäutigen Italiener Bolatelli geworfene Bananen – all das will die Uefa nicht sehen, und da sie die Bilder selbst produziert und damit kontrolliert, sehen wir sie auch nicht. Lieber schneiden die Bildmanipulatoren putzige Inserts vom Nachmittag in die „Live“-Übetragung.

ARD und ZDF regen sich jetzt ein bisschen darüber auf, um nicht völlig ihr Gesicht zu verlieren. I got news for you: Die Uefa macht das, weil sie es kann. Weil ihr sie lasst. Weil ihr nie die Eier haben werdet, euch gegen die mächtigen Fußballverbände wirklich aufzulehnen. Boykott? Könnt ihr nicht, von wegen Informationsauftrag und so, wie praktisch. Ihr habt eigene Kameras im Stadion, mit denen ihr die schöne neue Fußballwelt etwas demaskieren könntet. Aber die braucht ihr ja, um Jogi beim Nasepopeln einzufangen. Und dann müsst ihr schnell zu Waldi nach Leipzig schalten, der mit Matze Knop die erste Strophe der Nationalhymne singt – ach nee, ‚tschuldigung, das war „Wir sind die Besten in Europa“.

Aber wir wollen Politik und Sport ja nicht vermengen, nicht wahr, Olli Kahn? Das geht ja nicht. Geht doch, muss sogar. Der Sport hat 1936 seine politische Unschuld verloren. Wenn man ein Ereignis wie die Europameisterschaft in der Ukraine abhält, erwarte ich mehr als den gelegentlich im Nebensatz eingeschobenen Hinweis auf die Menschenrechtssituation. Aber das würde die heiteren Spiele ja wirklich stören. Lieber witzeln sich unsere öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten routiniert durch ihre EM-Sendungen. Ich freue mich schon auf die WM in der Vorzeigedemokratie Katar.

2 Antworten

  1. Bisher kein Spiel im TV angeschaut.

  2. […] Weinreich ist ein Terrier. Er hat sich in die mafiösen Verstrickungen zwischen Sport, Wirtschaft und Politik verbissen und lässt nicht mehr los. Damit hat er sich auch international einen ziemlich guten Ruf […]

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