Berliner Schule

kosslick

Im Osten nichts Neues. Am Potsdamer Platz weicht das bunte Festivaltreiben wieder dem Alltag und das Feuilleton zieht Bilanz. Die fällt von Jahr zu Jahr weniger freundlich aus. Die Entscheidungen der Jury, so nachvollziehbar sie in diesem Jahr sein mögen, können über die schon notorische Schwäche des Wettbewerbs nicht hinwegtäuschen.

Im Tagesspiegel legt Jan Schulz-Ojala den Finger in die Wunde und sieht dabei zwei Möglichkeiten, das sogenannte A-Festival wieder aufzupäppeln: Den Wettbewerb gleich ganz einstampfen und wie das erfolgreiche Toronto ganz auf Publikumsfestival machen. Oder die Berlinale „schärft radikal, und das um den Preis personeller Umstrukturierungen auf der gesamten künstlerische Entscheidungsebene, ihr Wettbewerbsprofil“.

Damit spricht Schulz-Ojala den rosa Elefanten an, um den das deutsche Feuilleton sonst gerne einen Eiertanz veranstaltet. Denn das Problem der Berlinale hat einen Namen: Dieter Kosslick. Der joviale Festivaldirektor wird nicht müde zu betonen, seiner sei „der beste Job der Welt“. Nur macht er ihn nicht mehr anständig. Stattdessen steppt er lieber mit irgendwelcher Hollywood-Prominenz über den roten Teppich.

Immerhin fordert jetzt mal einer „personelle Umstrukturierungen“. Dass der Tagesspiegel Kosslick nicht direkt angeht, kann man nur mit den Verstrickungen des deutschen Kulturbetriebs erklären. Aber der Schritt geht in die richtige Richtung. Der Festivalchef ist ein altlinker schwäbischer Lehrer, der in der Förderbürokratie Karriere gemacht hat – ein Apparatschik. Kosslicks Wurzeln prägen seit jeher den Wettbewerb: Deutsches Betroffenheitskino ohne Seele.

Es wird Zeit, dass jemand die Berliner Schule dicht macht. Und den Direktor in Rente schickt.

Lesebefehl: Dietrich Brüggemann: Fahr zur Hölle, Berliner Schule! bei artechock

Bild: Berlinale

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