Wirtschaftselite
25. Februar 2010

“We’ve learned and struggled for a few years here figuring out how to make a decent phone. PC guys are not going to just figure this out. They’re not going to just walk in.”
Ed Colligan, CEO Palm Inc, November 2006

Verkaufte Palms, September – November 2009: 783.000
Verkaufte iPhones, Oktober – Dezember 2009: 8.737.000

Zweite Liga
29. November 2009

Kann mich nicht schocken, alles schon erlebt. Wer absteigt, kommt auch irgendwann wieder hoch. Auf das Gefühl kann man sich also jetzt schon mal freuen. Denn wenn nach einem Drittel der Saison ein Sieg und magere fünf Punkte in der Tabelle hinter „Hertha BSC“ stehen und davor die 18, muss man die bittere Realität anerkennen, dass es zum Klassenerhalt sehr wahrscheinlich nicht mehr reichen wird.

Aber da müssen wir durch. Was ein echter Hertha-Frosch ist, der ist Kummer gewohnt und wird auch das überleben. Da hat Enno schon ganz recht. Allerdings können einem die jüngeren Fans leid tun, die das Zweitliga-Feeling nur aus den Erzählungen ihrer Papis kennen. Ebenso wie das hier:

Staatsfunk
28. November 2009

Roland Koch und seine Unions-Garde im Verwaltungsrat des ZDF haben sich durchgesetzt. Chefredakteur Nikolaus Brender ist abgesägt, Intendant Markus Schächter desavouiert. Im Blätterwald rauscht es gewaltig. Aber ich mache mir keine großen Hoffnungen, dass das Thema außerhalb der Media-Bubble auch nur einen Arsch wirklich interessiert. Und in den Blogs machen sie lustige Bildchen, wie das ZDF-Logo mit den Lettern „CDU“ zu vermählen. Schwarzfunk usw. Alles ganz nett, nur leider völlig am Thema vorbei.

Denn Koch ist ja nicht das Problem. Auch nicht Brender. Das Problem ist ein öffentlich-rechtliches System, das von den Parteien komplett abhängig ist. Mann muss dem sympathischen Volksvertreter aus Hessen dankbar sein, dass er den Finger in die Wunde gelegt hat. Dass er uns mal gezeigt hat, wie weit es mit der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ist.

Die Mahnrufe, die jetzt aus den Reihen der Sozialdemokraten ertönen, sind reine Heuchelei. SPD-Leute in den „Freundeskreisen“ halten es normalerweise genauso wie der Hessen-Berlusconi, nur nicht so offensichtlich. Die Proporz-Bestellung von öffentlich-rechtlichen Pöstchen hat schon DDR-Format. Das Problem ist ja auch nicht auf das ZDF beschränkt. Beim Hessischen Rundfunk durften sie nicht über die Causa Brender berichten, schreibt der Spiegel. Da lässt sich ein Anstaltssprecher dann folgendermaßen zitieren:

[…] der HR-Intendant habe davon gesprochen, dass es bei medienpolitischen Themen „im Hessischen Rundfunk wie in allen ARD-Anstalten“ einen Genehmigungsvorbehalt gebe. […] Es gebe folglich keineswegs ein Berichterstattungsverbot. Es sei eben nur in einigen Fällen keine Erlaubnis erteilt worden.

Das hätte ein Sprecher des ZK der SED nicht schöner sagen können.

Jeht doch
6. November 2009

Domovchiyski und Wichniarek, wer hätte das gedacht.

(thx siptocran)

Oldies
19. Oktober 2009

Alte Leute sind ein Problem. Das traut sich heutzutage kaum jemand so auszusprechen. Und wenn es doch jemand wagt, wie gewisse junge Konservative, fällt die Seniorenkamarilla über sie her. Wie kann man nur. Wo bleibt der Respekt vor der Lebensleistung, den Erfahrungen, dem Aufbau dieses Landes. Und überhaupt. (mehr …)

Ugly Corporate Pigs
24. August 2009

Ausgerechnet George Orwell. Die bekannte „Ironie des Schicksals“ beschreibt nur unzureichend, was man getrost als den schwersten PR-Gau in der Geschichte des sonst ach so kundenfreundlichen und netzaffinen Online-Händlers Amazon bezeichnen kann. Der US-Konzern hatte E-Book-Fassungen von Orwells „1984“ und „Animal Farm“ von der Kindles zahlender Kunden einfach wieder gelöscht, weil der Anbieter der E-Books diese nicht lizenziert hatte. Das Customer-Feedback war eindeutig: „Amazon, Why Don’t You Come In Our Houses And Burn Our Books Too?“

The Closer ist eine ganz nette Fernsehserie. Serie heißt, dass einzelne Folgen in regelmäßigen Abständen im Fernsehen laufen. Sollten. Denn irgendwie muss den Verantwortlichen bei Vox das Verständnis für dieses Konzept abhanden gekommen sein. Das kann passieren, wenn die Personalabteilung auch für Kreativposten nur Juristen und Betriebswirte einstellt. Vox nämlich hat die Ausstrahlung der dritten Staffel im vergangenen Jahr aus unerfindlichen Gründen irgendwann abgebrochen, trotz ordentlicher Quoten. Jetzt soll ab September erstmal die vierte Staffel laufen, die restlichen Folgen der dritten kommen irgendwann. Dass die Serie neben den in den Folgen behandelten Fällen auch einige kontinuierliche Erzählstränge hat, ist den Senderjuristen wohl entgangen.

Das hat beides auf den ersten nicht viel miteinander zu tun. Doch weisen diese Geschichten auf ein Grundpoblem der sogenannten Content-Industrie hin: Der Kunde ist ihnen scheißegal. Und noch eins: Die Fixierung der Industrie auf ihre Verwertungsrechte von gestern funktioniert in der globalisierten und digitalisierten Welt von heute nicht mehr – oder zumindest nur noch zum Nachteil des Kunden. (mehr …)

Pimping
4. Juli 2009

Wenn die alten Geschäftsmodelle ihren Qualitätsjournalismus nicht mehr tragen, müssen eben neue her. Auf der Suche nach neuen Geldquellen werden auch große Medienhäuser immer verzweifelter und machen dabei vor nichts mehr halt. Einen weiteren Höhepunkt in dieser übelriechenden Geschichte der Verwesung einer ganzen Branche setzte nun die ehrenwerte Washington Post. Deren Herausgeberin Katherine Weymouth wollte ihre Journalisten auf den Lobby-Strich schicken.

Die Idee, die wohl im Marketing-Department der Post ausgebrütet wurde, sieht Weymouth als Gastgeberin für eine Reihe exklusiver Dinner in ihrem Haus vor. Auf der Einladungsliste: Lobbyisten. Sie sollten in ungezwungener Atmosphäre, completely off the record, mit Regierungsvertretern, Abgeordneten und anderen „ausgewählten“ Entscheidern zusammentreffen können.

„Ein Abend mit den richtigen Leuten kann die Debatte verändern“, wirbt der Verlag in einem Flyer. „Bringen Sie den CEO oder Exekutivdirektor Ihrer Organisation buchstäblich an den Tisch.“ Menupreis: 25000 Dollar, beim Kauf der Zehnerkarte gibt’s einen Abend gratis. Kontakt zu leitenden Journalisten inklusive. Bei dem für den 21. Juli geplanten ersten Dinner sollte der Post-Chefredakteur Marcus Brauchli mit am Tisch sitzen.

Das gemütliche Beisammensein wurde jetzt abgesagt. Denn ein Flyer, mit dem die Post den bunten, wenn auch nicht ganz billigen Abend einem Lobbyisten der Gesundheitsbranche schmackhaft machen wollte, landete bei Politico. Bei der Qualitätszeitung ist jetzt Schadensbegrenzung angesagt: der Flyer sei das Werk einer „übereifrigen“ Marketingabteilung, so nie autorisiert worden und überhaupt eine völlig verzerrte Darstellung der geplanten Abende.

Brauchli versucht, seine Truppe vor Schaden zu schützen und erklärte, die klaren Bedingungen der Redaktion für eine Teilnahme an den „Salons“ seien vom Marketing nicht berücksichtigt worden, zu einem bedingungslosen „off the record“ sei er nicht bereit. „Wir werden nicht an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen die Post gegen Geld Zugang zu Redaktionspersonal oder Zurückhaltung bei kritischen Fragen verspricht“, schrieb Brauchli in einer E-Mail an die Redaktion. „Das deutet an, dass der Zugang zu Journalisten der Washington Post käuflich sei.“

Angeblich soll es die Pläne bei der klammen Zeitungsgruppe schon länger geben. Dass der Newsroom jetzt auf Entrüstung macht, ist ein bisschen verwunderlich. Denn angeblich waren auch Redaktionsmitglieder in die Pläne einbezogen. Aber Journalisten sind halt Nutten mit Prinzip: Sie lassen sich nicht gerne verhökern, ihren Preis bestimmen sie lieber selbst.

Das Bild ist aus besseren Zeiten.

Qualität
5. Mai 2009

Spiegel Nr. 19/4.5.2009, S. 156, 157. Gruner + Jahr wirbt für die neu geschaffene Wirtschafts-Contentmaschine:

Unser Redaktionsmodell ist neu, aber unser Anspruch bleibt der alte:

Qualität.

Das Geheimnis unseres Erfolges ist unser Qualitätsanspruch. Deshalb haben wir mit unserem neuen Redaktionsmodell die größte Wirtschaftsredaktion Deutschlands geschaffen. Die Vernetzung unserer 250 Redakteure bringt uns dabei nicht nur mehr Schlagkraft, sondern gleichzeitig auch mehr Themen, mehr Tiefe und somit mehr Relevanz für unsere Leser. So führt ausnahmsweise einmal mehr Quantität zu mehr Qualität.

Dass sie das betonen müssen, und wie sie es tun, das wirkt schon ein bisschen verzweifelt.

Killer
19. April 2009

Internet kills the newspaper. Das ist ein von einer kleinen Schar sogenannter Online-Experten immer wieder gerne kolportiertes Klischee. Nur wird es dadurch nicht richtiger. Denn das Schauermärchen vom Killer Internet ist vor allem eine schöne Ausrede.

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Eine Ausrede für die Verlagsmanager, die heute das Sagen und sich ihre ersten Streifen in der New Economy verdient haben. Eine Ausrede für ihr Versagen, das neue Medium anzunehmen, mit all seinen Unwägbarkeiten und Chancen, ohne dabei gleich alles zu vergessen, was sie mutmaßlich mal gelernt haben. Stattdessen sind sie den Heilsversprechen der Dotcom-Rattenfänger aufgesessen, dass das Internet alles verändert und man mit Nix richtig viel Geld verdienen kann. Irgendwie. (mehr …)

Wahre Worte V
6. März 2009

Put bluntly, 6 people at the top of the HP pyramid accounted for $142,774,325 in compensation in 2008 alone. That is an obscene amount of money.
Damian Saunders

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