Dirty Old Men
2. Februar 2013

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Zuerst war ich unschlüssig, was ich von Dirndlgate halten soll. Klar hat Brüderle an der Bar mit Himmelreich die Grenze überschritten. Doch der Journalist und Mann, der ich bin, reagiert reflexartig: Sie hätte das nicht schreiben dürfen, sie hat gegen die ungeschriebenen Regeln des Hinterzimmers verstoßen.

Ein paar Tage später war mir klar: Sie hat es schreiben müssen.

Erst die Debatte nach dem Stern-Aufreger und #aufschrei hat die zahlreichen ungeschriebenen Regeln, nach denen es immer noch zu laufen hat, diese Demarkationslinien zwischen Oben und Unten (in jedem Sinn) noch einmal prägnant nachgezeichnet. Und wer dabei beobachtet, wer zur Verteidigung dieses Status Quo angetreten ist, weiß auch, wer die Regeln gemacht hat und wem sie nützen: Mehr oder weniger alten Männern mit mehr oder weniger Macht.

Und Wibke Bruhns.

Es ist schon lustig, dass ausgerechnet ein Tittenblatt wie der Stern es schafft, eine breite Debatte über den Sexismus in unserer Gesellschaft loszutreten. Aber der Versuch, die ganze Diskussion mit dem Verweis auf die vielen Brüste im und auf dem Heft zu diskreditieren, ist unredlich. Der Stern ist, was er ist, und ein Teil des Komplexes, über den wir gerade deshalb auch noch zu reden haben werden: Werbung und Medien.

Osterkorn ist hoch anzurechnen, dass er die Episode an der Hotelbar nicht aus dem Brüderle-Porträt herausgestrichen hat. Damit wäre der Vorwurf, gegen den heiligen Hotelbarschwur zwischen Presse und Politik verstoßen zu haben, ihm zu machen. Trotzdem hat er sich entschieden, dieses Beispiel für alltäglichen Sexismus im Porträt eines Politikers zu veröffentlichen, der offenbar einen einschlägigen Ruf hat.

Himmelreich hat vielleicht nicht gerade den elegantesten Einstieg in das Bargespräch mit Brüderle gewählt. Journalisten denken immer, sie müssten provokant sein, um die politische Phrasendreschmaschine aus dem Takt zu bringen und vielleicht noch ein verwertbares Zitat zu kriegen. Mich nerven diese patent-nassforschen Medienfuzzis und -fuzzinen auch. Als Rechtfertigung kann das aber nicht gelten.

Trotzdem ist das kein „Fall Brüderle“. Brüderle ist nur ein Platzhalter für die vielen Formen von Alltagssexismus, die jede Frau, die ich kenne, schon erlebt hat und immer noch erlebt: auf der Straße, im Job, unter Freunden. Gut, dass jetzt drüber geredet wird. Das ist zwar noch nicht alles konstruktiv, was einerseits an den vielen Männern liegt, die panisch versuchen, die Debatte umzubiegen. Und den ganzen Gendertröten, die ihre große Stunde gekommen sehen und schon fleißig bunte Kärtchen drucken.

Traurig ist, wie die Debatte in unserem sogenannten Qualitätsfernsehen geführt wird. Wie die Redaktionen von Jauch, Will und Konsorten an das Thema herangehen, zeugt von der dort herrschenden, fortgeschritten intellektuellen Deformation. Die drücken auch jedes Thema durch den Proporzfilter. Die Debatte wird so nur von den üblichen Partei-Apparatschiks besetzt.

Das längst komplett ausgehöhlte Ausgewogenheitsdogma der öffentlich-rechtlichen Talkshow-Castings führt dann zu so bizarren Auftritten wie dem von Bruhns und Dirndl-Experte Karasek bei Jauch. Dazu kam, dass Jauch selbst offensichtlich keine Lust auf die Debatte hatte und latent unter der Gürtellinie „moderierte“. Props für einen überraschend souveränen Auftritt an Koch-Mehrin.

Was bleibt: Die ehrliche Verblüffung in Schwarzers Gesicht bei ihren mehrfach fruchtlosen Versuchen, die zotelnden Jungs bei Jauch auf Diskursebene zu hieven. Vielleicht wäre sie bei Will besser aufgehoben gewesen, bei der war die Debatte zumindest ansatzweise konstruktiv (Überraschung des Abends: Geißler). Aber auch die Will-Redaktion hat sich ihre Trolle eingeladen.

Geht das eigentlich nicht mal ohne? Müssen wir bei einem Thema, bei dem Einigkeit darüber herrscht, wie wir unsere Frauen, Töchter, Freundinnen behandelt wissen wollen, uns wirklich anhören, was säftelnde alte Herren dazu zu sagen haben? Wäre es nicht besser, wenn die einfach mal die Klappe halten und zuhören?

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Fuck you
18. Juni 2012


Fuck you, Uefa. And shame on you, ARD/ZDF. Der europäische Fußballverband schickt uns geschönte Bilder aus Polen und der Ukraine, damit auch nicht der kleinste Misston die schönen Spiele trüben möge. Die Uefa denkt sich, wenn wir schon in der Ukraine sind, können wir denen gleich mal zeigen, wie das geht mit der Macht der Bilder. Kein durchgeknallter Ost-Diktator nimmt es da mit Fußballfunktionären auf. Und unsere öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten jammern jetzt pro forma ein bisschen rum, lassen sich aber bei nächster Gelegenheit wieder von Verbandsmafiosi wie Platini und Blatter am Nasenring durch die Manege führen.

Nicht die kleinste Kleinigkeit soll das Fest der Nationen stören. Von den Femen-Girls, die sich vor den Stadien nackig machen und sich dafür von ukrainischen Junta-Schergen verprügeln lassen müssen, ganz zu schweigen. Ein völlig harmloses Plakat, ein Flitzer, ein paar Bengalos, von kroatischen Fans auf den dunkelhäutigen Italiener Bolatelli geworfene Bananen – all das will die Uefa nicht sehen, und da sie die Bilder selbst produziert und damit kontrolliert, sehen wir sie auch nicht. Lieber schneiden die Bildmanipulatoren putzige Inserts vom Nachmittag in die „Live“-Übetragung.

ARD und ZDF regen sich jetzt ein bisschen darüber auf, um nicht völlig ihr Gesicht zu verlieren. I got news for you: Die Uefa macht das, weil sie es kann. Weil ihr sie lasst. Weil ihr nie die Eier haben werdet, euch gegen die mächtigen Fußballverbände wirklich aufzulehnen. Boykott? Könnt ihr nicht, von wegen Informationsauftrag und so, wie praktisch. Ihr habt eigene Kameras im Stadion, mit denen ihr die schöne neue Fußballwelt etwas demaskieren könntet. Aber die braucht ihr ja, um Jogi beim Nasepopeln einzufangen. Und dann müsst ihr schnell zu Waldi nach Leipzig schalten, der mit Matze Knop die erste Strophe der Nationalhymne singt – ach nee, ‚tschuldigung, das war „Wir sind die Besten in Europa“.

Aber wir wollen Politik und Sport ja nicht vermengen, nicht wahr, Olli Kahn? Das geht ja nicht. Geht doch, muss sogar. Der Sport hat 1936 seine politische Unschuld verloren. Wenn man ein Ereignis wie die Europameisterschaft in der Ukraine abhält, erwarte ich mehr als den gelegentlich im Nebensatz eingeschobenen Hinweis auf die Menschenrechtssituation. Aber das würde die heiteren Spiele ja wirklich stören. Lieber witzeln sich unsere öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten routiniert durch ihre EM-Sendungen. Ich freue mich schon auf die WM in der Vorzeigedemokratie Katar.

Bunga Bunga
17. April 2011

Öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalisten nutzen also Urban Dictionary. Anders lässt sich nicht erklären, dass Phoenix-Moderator Michael Sahr in einer Schalte zum Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi mit folgendem Satz brilliert:

[…] Zur Rede stehen ja diese sogenannten „Bunga Bunga“-Partys, also anale Massenvergewaltigung […]

Wollen wir zu Sahrs Gunsten mal annehmen, dass er sich das nicht selbst zusammengegoogelt hat, sondern ein überbezahlter „Redakteur“. Google liefert als erstes Suchergebnis für „Bunga Bunga“ einen Beitrag einer österreichischen „Community-Zeitung“, in dem zu lesen ist:

Das Online-Wörterbuch „Urban Dictionary“ liefert zwei Erklärungen dazu:

1.) Äußerst brutale Anal-Massenvergewaltigung. Angeblich bevorzugte Bestrafung bei einem fiktiven afrikanischen „Stamm“.

und liefert die englischsprachige Originalquelle gleich mit:

definition for „bunga-bunga“:

1) Savagely brutal anal gang-rape. Fabled punishment for trespassing on the tribal land of a fictitious African tribe.

Ich weiß nicht, ob es die „anale Massenvergewaltigung“ auf diesem Weg in Sahrs Moderation geschafft hat. Anders ist es aber nur schwer zu erklären, denn alles deutet auf die Urban Dictionary als Quelle.

Dass sich bei einem öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalisten noch nicht herumgesprochen hat, dass Urban Dictionary nicht sowas wie die Wikipedia ist und schon gar kein „Wörterbuch“ – geschenkt. Aber die „Quelle“ enthält so ein paar Signalwörter, an denen der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalist hätte hängenbleiben können – von „österreichisch“ und „Community-Zeitung“ will ich ja gar nicht erst anfangen: „angeblich“ und „fiktiv“ beziehungsweise in der englischen Fassung „fabled“ und „fictitious“. Und wenn sich der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalist oder die öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalistin nicht selbst ganz so ernst nehmen (und zum Lachen ins Archiv gehen) würde, dann wäre vielleicht auch dieser Altherrenwitz bekannt, den Berlusconi offenbar so witzisch findet.

Aber wo das Phoenix-Team schon mal auf Urban Dictionary unterwegs ist, hier mein Tipp für die nächste knallharte Recherche: facepalm.

(Gesehen in der heute show. Und ich will gar nicht wissen, was das hier wieder für Referrer gibt.)

Politbetrieb
13. März 2011

Während in Japan gerade ein Atomkraftwerk nach dem anderen durchglüht und damit für die Atompolitik auch hierzulande das eingetreten ist, was man neudeutsch als Game Changer bezeichnet, sondert der Berliner Politbetrieb weiter Worthülsen ab. Damit tun sich insbesondere Regierungsvertreter hervor, die offenbar meinen, trotz des Lippenbekenntnisses, jetzt könne nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden, mit der üblichen Taktik alles aussitzen zu können: beschwichtigen, relativieren, zerreden.

Gerade hat sich Volker Kauder im ZDF die Prügel für den zuständigen Minister abgeholt und musste sich von einem gut vorbereiteten Sigmar Gabriel zerlegen lassen. Und alles was der CDU-Mann auf der Pfanne hatte, war mit dem Finger auf die Sozis zu zeigen und Gabriel vorzuwerfen, die deutschen Problemmeiler nicht in seiner Zeit als Umweltminister selbst stillgelegt zu haben. Der SPD-Chef kann immerhin von sich behaupten, es versucht zu haben, sollte aber jetzt auch keinen Wahlkampf machen.

Offensichtlich ist es aber vom Politbetrieb zu viel verlangt, angesichts der katastrophalen Entwicklung in Japan einmal innezuhalten und nicht die üblichen Phrasen zu dreschen. Die Ereignisse in den japanischen Reaktoren sind für die Technik der Game Changer. Wenn selbst ein Hochtechnologieland die Atomkraft im Ernstfall nicht beherrschen kann, braucht die Diskussion einen harten Reset. Die alten Argumente taugen nichts mehr.

Die Energiepolitik muss neu gedacht werden, alles steht zur Debatte. Das gilt allerdings auch für die Gegenargumente und Alternativen. Und wer mit Merkel, Kauder und Röttgen der Meinung ist, „unsere Atomkraftwerke sind sicher“ (man beachte die in diesem Zusammenhang gerne benutzte Einschränkung à la „nach Maßgabe dessen was wir wissen“) und wir haben ja auch keine Erdbeben, der soll sich mal mit einigen Theorien zum Unfallrisiko in komplexen Systemen befassen (Stichwort Normal Accident).

Glaubensfragen
12. Februar 2011

Ist das der Anfang einer Revolution?

„Ich glaube noch nicht. Das ist erst der Anfang, wir wissen noch nicht, wie das Ganze ausgeht. Erst wenn sich die Situation weiter hochschaukelt. Ich glaube nämlich nicht, dass diese jungen Demonstranten, viele Studenten sind dabei, das lange durchhalten werden. Es sei denn, die Proteste greifen auf andere Bevölkerungsteile über. […]

Ich muss ehrlich sagen, ich glaube nicht daran. Ich glaube nämlich, dass dieses System, so wie es sich derzeit darstellt, relativ reformunfähig ist. Ich hoffe, dass die Proteste bald abebben. Vielleicht wird es das eine oder andere Zugeständnis geben, aber ich glaube nicht, dass es hier durchgreifende demokratische Reformen gibt.“

(Dietmar Ossenberg, ZDF-Korrespondent in Kairo und Autor der ZDF-Reportage „Abenteuer Ägypten: Mit Dietmar Ossenberg unterwegs“, am 26. Januar 2011 im heute journal).

Am 11. Februar ist Mubarak zurückgetreten. In der ganzen Region Maghreb und Naher Osten gehen die Menschen auf die Straßen.

Big Pharma
22. Mai 2010

Oliver Welkes Versuch einer News-Comedy à la Jon Stewart erfüllt meine Erwartungen ja leider meistens nicht. In der vergangenen Woche gab es allerdings eine Sternstunde deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Martin Sonneborn führt einen Pharma-Lobbyisten vor und entlockt ihm erstaunlich ehrliche Aussagen. Epic win, Pharma-Lobby owned.

Aber es gibt ein Nachspiel: Der Pharma-Lobbyist beschwert sich beim ZDF-Programmchef, und der macht den Kotau vor der Lobby und erteilt seiner Satire-Abteilung eine Rüge. Okay, die Scherzkekse haben nach journalistischen Maßstäben nicht ganz sauber gearbeitet. Aber müssen sie das? Ist ja schließlich Satire. Das ZDF hat halt keine Eier. Und scheint abgesehen davon keine Probleme damit zu haben, Lobby-Vertreter hübsch zu schneiden und ihnen auch sonst in den Arsch zu kriechen. Irgendwie müssen die ihre Prioritäten klar kriegen.

Während sich also der Geschäftsführer des Lobby-Vereins der Generika-Hersteller vor laufender Kamera zum Horst macht, steht im Hintergrund sein „Pressesprecher“ und gibt Kommentare ab. Der Mann hat eindeutig den falschen Job: Ein guter Presseheini schickt das Fernsehteam in dem Moment nach Hause, in dem Martin Sonneborn durch die Tür kommt. Aber der Lobby-Pressesprecher kannte den wohl nicht. Vielleicht hätten sie nicht einen Juristen für den Job nehmen sollen.

Staatsfunk
28. November 2009

Roland Koch und seine Unions-Garde im Verwaltungsrat des ZDF haben sich durchgesetzt. Chefredakteur Nikolaus Brender ist abgesägt, Intendant Markus Schächter desavouiert. Im Blätterwald rauscht es gewaltig. Aber ich mache mir keine großen Hoffnungen, dass das Thema außerhalb der Media-Bubble auch nur einen Arsch wirklich interessiert. Und in den Blogs machen sie lustige Bildchen, wie das ZDF-Logo mit den Lettern „CDU“ zu vermählen. Schwarzfunk usw. Alles ganz nett, nur leider völlig am Thema vorbei.

Denn Koch ist ja nicht das Problem. Auch nicht Brender. Das Problem ist ein öffentlich-rechtliches System, das von den Parteien komplett abhängig ist. Mann muss dem sympathischen Volksvertreter aus Hessen dankbar sein, dass er den Finger in die Wunde gelegt hat. Dass er uns mal gezeigt hat, wie weit es mit der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ist.

Die Mahnrufe, die jetzt aus den Reihen der Sozialdemokraten ertönen, sind reine Heuchelei. SPD-Leute in den „Freundeskreisen“ halten es normalerweise genauso wie der Hessen-Berlusconi, nur nicht so offensichtlich. Die Proporz-Bestellung von öffentlich-rechtlichen Pöstchen hat schon DDR-Format. Das Problem ist ja auch nicht auf das ZDF beschränkt. Beim Hessischen Rundfunk durften sie nicht über die Causa Brender berichten, schreibt der Spiegel. Da lässt sich ein Anstaltssprecher dann folgendermaßen zitieren:

[…] der HR-Intendant habe davon gesprochen, dass es bei medienpolitischen Themen „im Hessischen Rundfunk wie in allen ARD-Anstalten“ einen Genehmigungsvorbehalt gebe. […] Es gebe folglich keineswegs ein Berichterstattungsverbot. Es sei eben nur in einigen Fällen keine Erlaubnis erteilt worden.

Das hätte ein Sprecher des ZK der SED nicht schöner sagen können.

Brender
26. November 2009

Für Nikolaus Brender geht es am Freitag um seinen Job. Der Verwaltungsrat des ZDF entscheidet dann darüber, ob Brenders Vertrag als Chefredakteur des Senders verlängert werden soll. Im öffentlich-rechtlichen Universum ist das ein ganz normaler Vorgang. Zum Aufreger wurde die Personalie durch den Versuch der Union, den unliebsamen Journalisten abzusägen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch, Mitglied des Verwaltungsrates, gilt als treibende Kraft, darf sich aber offenbar der Rückendeckung von höchster Stelle sicher sein.

Die Causa Brender geistert nun schon eine Weile durch die Gazetten. Je näher die Sitzung des ZDF-Kontrollgremiums rückt, desto stärker schwillt die öffentliche Erregungswelle an. Jüngster Höhepunkt waren die Kassandrarufe renommierter Juristen in der FAS, und jetzt sortieren sich auch noch ein paar B-Blogger in die Reihe der öffentlichkeitswirksamen Bedenkenträger ein, gleich hinter Ulrich Wickert, der auch die Pressefreiheit in Gefahr sieht.

Sie alle haben Recht, natürlich ist so ein Frontalangriff der Politik (auch die SPD kann das) auf die Integrität eines öffentlich-rechtlichen Chefredakteurs abzulehnen. Die Bewahrer der freien Medien sollten aber nicht den Fehler machen zu glauben, mit Brender wird alles gut – so toll ist er nun auch wieder nicht. Denn das Problem ist nicht gelöst, wenn sich der ZDF-Chef behaupten kann. Es liegt in der öffentlich-rechtlichen Struktur: Ein System, in dem ein von den Parteien kontrolliertes Gremium über das Schicksal eines Chefredakteurs entscheidet, ist eine Travestie. Unabhängigkeit ist hier nur eine billige Illusion.

Das Problem ist nicht, dass Koch versucht, Brender abzusägen. Das Problem ist, dass er es kann.

Siehe auch: Meedia. Niggemeier. Berliner Zeitung.

Tweeting Politics
2. September 2009

Im ZDF heute journal heute abend wieder bitchy Berichterstattung gegen Wahlprognosen über Twitter. Jeez. Wo war jetzt nochmal genau das Problem? Ich glaube nicht, das ein paar getwitterte Prozentzahlen die Wahl in letzter Minute noch zu Gunsten der Sozialdemokraten kippen können. Aber darum geht es bei dem ganzen Gezeter auch nicht.

Es geht um die Informationshoheit. ZDF-Chef Brender lässt sich stellvertretend für alle sogenannten Qualitätsjournalisten zu einer persönlichen Suada herab, weil vor allem die Öffentlich-Rechtlichen um ihre exklusive Gatekeeper-Funktion fürchten. Und die Politiker haben vor nichts mehr Angst, als dann in der Elefantenrunde nicht das erste Wort zu haben und damit ihre Interpretation, ihren Spin durchzudrücken.

Wo kämen wir denn da hin.

Kinderfernsehen
23. Juli 2009

Die Sendung mit dem Claus

01

03

06

und der Gundel

05